Mein eigener Mann erkennt mich nicht mehr. Oder doch? Manchmal scheint er kurz zu wissen, wer ich bin – dann wieder nicht. Wie lebt man mit dem Wissen, dass man als Partnerin allmählich verschwindet?
 

Eines der grössten Tabus ist der Moment, in dem eine an Demenz erkrankte Person ihre Liebsten nicht mehr erkennt. Ich wurde oft gefragt, wie schlimm das für mich sei.

Für viele pflegende Partner:innen ist das eine Frage der Würde. Ich hatte kein Problem damit – ich fühlte mich trotzdem geliebt, in beiden Rollen.

Dazu ein Auszug aus meinem Buch : Gestern vor dem Einschlafen hat mich Alex nochmals nach meinem Namen gefragt. Ich sage Rebekka. Alex: nei, sägs richtig. Ich: Königin Elisabeth. Alex: äh nei. Ich: Doris Leuthhard. Wird auch nicht akzeptiert. Ich: Susi. Alex: Jooo, das stimmt, du bisch mini Susi. Heute auf einer Aussichtsbank im Schwarzwald erzähle ich unserer Tochter Annette diese lustige Episode in Gegenwart von Alex. Er zu Annette: Sie wird halt au efang alt. Sie hät so lang brucht, bis sie sich a ehren Name erinneret hät.

In den ‘Worten des Monats’ in meinem Buch fasse ich köstliche oder berührende Aussagen von Alex zusammen, die ich mir über die Jahre immer sofort, so wie sie gesprochen wurden,  aufgeschrieben habe. Ein weiteres Beispiel zu meiner Identität. Ich arbeite am Pult und Alex kommt in mein Büro: I ha der numme wölle säge, dass das denn de Susi ehres Büro isch. 

Ein anderes Mal verbietet er mir ins Bett zu steigen, weil er seinen (verstorbenen) Bruder Max erwarte und das dessen Bett sei.

Solche Situationen gaben mir immer die Gelegenheit, gleich noch dringende Arbeiten in meinem Büro fertig zu machen. Wenn ich dann irgendwann nachschaute, ob Max jetzt eingetroffen sei, war ich Alex hochwillkommen.

Humor in allem Abschied – das ist mir wichtig.