63 Jahre Ehe – eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, voller Liebe und Verlust. Jetzt beginnt ein neues Kapitel. Was bleibt von einem Leben zu zweit, wenn einer geht? Und wie füllt man die Stille, die zurückbleibt?
Heute bin ich zutiefst dankbar, dass Alex durch den Sturz auf die Mauer das Los erspart wurde, seine Demenz bis zu seiner totalen Hilflosigkeit austragen zu müssen.
Ich bin auch so sehr dankbar für unsere 63 Ehejahre, in denen wir zusammen so viel erlebt haben. Es reicht mir heute. jeden Tag den Spaziergang über die Treppen, dem Waldrand entlang und durch die Reben zu machen, den wir so oft gegangen sind. Ich danke, dass ich immer wieder Menschen treffe, mit denen ich mich auf das Herrlichste unterhalte.
Ich danke, dass mich die Beine tragen und ich auch die Kraft habe, eine einsame Frau regelmässig zu besuchen und sie mit dem Rollstuhl auszuführen. Ich danke, dass unsere Tochter auch wieder ihr eigenes Leben lebt und mich an zwei Tagen unterstützt. Ich danke für Kinder und Enkel, die mich verwöhnen. Ich danke, für den Bibelkreis, der immer noch bei mir stattfindet. Ich danke, dass mir der Stoff für Themen, die ich bearbeiten will, nie ausgeht und dass ich allen mit Freuden mitteilen darf, dass es mir gut geht.
Ich muss ja nicht dringend erwähnen, dass ich viele Gesichter nicht mehr erkenne und auch sonst vieles vergessen habe.
Dennoch: Ja, es geht mir gut.
Hier schreibt: Susi Streichenberg
Bis März 2024 war Susi Streichenberg noch pflegende Angehörige eines von Alzheimer und vaskulärer Demenz betroffenen Ehemanns. Am aargauischen Pflegetag 2023 hat Sie ein Buch über den gemeinsamen Weg des Vergessens herausgegeben und gab ihm den Titel «Ich will deine Enge weit machen». Diese Erinnerungen hat sie im Selbstverlag veröffentlicht.
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