Frau M. war am Ende ihrer Kräfte. Ihr an Demenz erkrankter Mann wurde nachts immer öfter aktiv, was sie am Schlafen hinderte. Als sie dies ihrem Hausarzt schilderte, fragte er, ob er sie für die zugehende Beratung von Alzheimer St. Gallen / beider Appenzell anmelden solle. Kurz darauf rief Irene Rüegg an und schlug ein erstes Beratungsgespräch vor. Seit März 2025 bietet die Alzheimer-Sektion diese besondere Beratung an. Regula Kündig, Geschäftsführerin der Sektion bis April 2026, wusste von anderen Alzheimer-Sektionen, wie wichtig ein solch niederschwelliges Angebot ist. Nach sorgfältiger Vorbereitung konnte sie dank Stiftungen und Lotteriefonds ein zweijähriges Pilotprojekt dazu finanzieren.
Langzeitberatung
Bei der zugehenden Beratung nimmt eine Fachperson proaktiv Kontakt auf mit der betroffenen Familie. Die kostenlose Begleitung kann zu Hause, in einem Büro, telefonisch oder per E-Mail stattfinden. Dieselbe Ansprechperson begleitet die Familien langfristig während des gesamten Krankheitsverlaufs und koordiniert die weitere Unterstützung. Die Vermittlung erfolgt meist über eine Memory Clinic, den Hausarzt oder andere zuweisende Stellen. Angehörige können sich aber auch direkt melden.
Messbare Vorteile
Regula Kündig betont, wie wichtig eine frühzeitige Beratung ist: «So lässt sich vorausschauend planen, um beispielsweise Krisen vorauszusehen und idealerweise zu verhindern oder den für alle Betroffenen richtigen Zeitpunkt für einen Heimeintritt zu bestimmen.»
Studien haben gezeigt, dass eine zugehende Beratung die Lebensqualität und die Gesundheit von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessert. Dadurch lässt sich der Heimeintritt um bis zu eineinhalb Jahre verzögern. Regula Kündig hält fest: «Zugehende Beratung entlastet das Gesundheitssystem.» Die Pflegefachfrau Irene Rüegg ergänzt: «Diese Begleitung kann dazu beitragen, dass pflegende Angehörige gesund bleiben. Wenn es ihnen gut geht, dann geht es auch den Menschen mit Demenz gut.»
Demenzberatung als Selbstverständlichkeit
Regula Kündig hofft auf eine Absicherung der Finanzierung nach der Pilotphase. Beraterin Irene Rüegg wünscht sich, dass eine Demenzberatung genauso selbstverständlich wird wie eine Stillberatung für junge Mütter.
Irene Rüegg gab Frau M. Anregungen für eine angepasste Abendroutine, diskutierte mit ihr über Änderungen im Tagesablauf und verwies sie an ihren Arzt bezüglich medikamentöser Behandlung. Sie vereinbarten, dass sich die Beraterin in drei Monaten wieder bei Frau M. meldet, um das Ehepaar im Verlauf der Erkrankung zu begleiten.


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