Immer mehr Menschen behalten heutzutage bis ins hohe Alter ihre eigenen Zähne. Diese erfordern weiterhin eine sorgfältige Pflege und regelmässige Kontrolle. Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch die Häufigkeit der Zahnarztbesuche ab. Wenn zudem die häusliche Mund- und Zahnersatzpflege nicht mehr aufrechterhalten werden kann, kommt es häufig zu zahnmedizinischen Problemen. Eine Zahnarztpraxis wird in der Regel erst spät aufgesucht. Bei Menschen mit Demenz kommt erschwerend hinzu, dass aufgrund der kognitiven Einschränkungen zahnärztliche Behandlungen oft nur noch eingeschränkt durchgeführt werden können, was die Lebensqualität stark beeinträchtigt.
Ferndiagnose bei Patienten mit Demenz
Hier eröffnen telemedizinische Verfahren wie die Teledentistry neue Möglichkeiten für die Aufrechterhaltung der zahnmedizinischen Betreuung und Versorgung von Menschen mit Demenz. Dabei sollen die zahnärztliche Konsultation und die Befundaufnahme aus der Ferne anhand von Bildern oder Videoaufnahmen erfolgen. Diese Methode bietet mehrere Vorteile: Orale Probleme können schneller beurteilt werden und es lässt sich frühzeitig entscheiden, ob eine sofortige Behandlung erforderlich ist. Da zudem der Transport und der Ortswechsel für Menschen mit Demenz wegfallen, lassen sich die Belastung für die Erkrankten sowie der organisatorische Aufwand für die Angehörigen oder das Pflegepersonal reduzieren. Inwieweit die zahnärztliche Konsultation und Diagnosestellung durch solche telemedizinischen Verfahren bei Menschen mit Demenz im Bereich der Zahnmedizin angewendet werden können, ist bisher wenig erforscht. Ein von Alzheimer Schweiz unterstütztes Forschungsprojekt untersucht deshalb, ob Teledentistry bei Menschen mit Alzheimer oder anderen Formen von Demenz in Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden kann.
Das Forschungsprojekt
Das Projektteam unter der Leitung von PD Dr. med. dent. habil. Julia Jockusch, M. Sc., vom Forschungsschwerpunkt «Dynamik Gesunden Alterns» der Universität Zürich verfolgt dabei mehrere Ziele: Zum einen soll untersucht werden, ob telemedizinische Methoden auf der Basis von Fotos oder Videosprechstunden zuverlässige zahnmedizinische Befunde sowie eine Einschätzung der Dringlichkeit einer Behandlung ermöglichen. Dazu machen Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte in mehreren Zürcher Pflegeeinrichtungen bei Bewohnenden mit Demenz und mit Zahnbeschwerden entweder Fotos der Mundhöhle oder führen eine Online-Videosprechstunde mit einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt durch. Innerhalb von 48 Stunden werden die Bewohnenden zusätzlich vor Ort in den Pflegeeinrichtungen durch einen Zahnarzt untersucht. Anschliessend erfolgen eine Auswertung sowohl der Fotos als auch der Aufnahmen aus der Videosprechstunde und ein Vergleich der Befunde mit jenen aus der konventionellen zahnärztlichen Untersuchung. Darüber hinaus werden die Angehörigen, das Pflegepersonal und die beteiligten Ärzte und Zahnärzte zu deren Einstellung sowie zum Aufwand, zu ihrer Wahrnehmung und Akzeptanz gegenüber der Teledentistry befragt.
Zwischen Skepsis und Potenzial
Die ersten Ergebnisse der Befragung von Pflegekräften zeigen, dass viele der Befragten der Teledentistry noch kritisch gegenüberstehen und insbesondere bei akuten oder komplexen Zahnproblemen der Bewohnenden einen Besuch des oder beim Zahnarzt (persönliche Konsultation) bevorzugen. Dennoch sieht ein grosser Teil des Pflegepersonals auch das Potenzial dieser Möglichkeiten. Teledentistry kann somit eine sinnvolle Ergänzung zu einem Zahnarztbesuch darstellen sowie die Zugänglichkeit und Effizienz der zahnmedizinischen Versorgung verbessern. Das Forschungsprojekt wird circa Anfang 2025 abgeschlossen sein.
Mehr erfahren im Flyer «Menschen mit Demenz in der zahnmedizinischen Praxis»



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