Nach Jahrzehnten erfolgloser Forschung weckt eine neue Art von Wirkstoffen erstmals Hoffnungen für die Behandlung von Alzheimer. Anders als bisherige Medikamente ist der von Eli Lilly entwickelte Wirkstoff Donanemab mit dem Handelsnamen Kisunla krankheitsmodifizierend, das heisst, er kann den Verlauf der Alzheimer-Krankheit im Frühstadium potenziell verlangsamen. 

Vorgesehen ist Donanemab für Personen im frühen Stadium der Erkrankung, also bei leichter kognitiver Störung oder leichtem Alzheimer, wenn Amyloid-Plaques im Gehirn nachgewiesen wurden und genetisch kein oder nur ein ApoE-ε4-Allel vorliegt. Der Verband Swiss Memory Clinics schätzt, dass in der Schweiz etwa 10% der an Alzheimer erkrankten Menschen die nötigen Voraussetzungen hätten, um mit Donanemab behandelt werden zu können.

Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen in der Schweiz ist zu Redaktionsschluss noch in der Prüfung. 

In Studien konnte gezeigt werden, dass Donanemab die Amyloid-Beta-Eiweisse im Gehirn bei frühem Alzheimer reduzierte und nach 18 Monaten zu einem moderat geringeren Rückgang mentaler Fähigkeiten und Alltagsfunktionen im Vergleich zu einem Placebo (d.h. einem wirkstofflosen Scheinmedikament, dass anstatt Donanemab verabreicht wurde) führte. 

Aufwendige Verabreichung 
Donanemab wird dabei alle vier Wochen über rund eine Stunde als Infusion verabreicht. Unter der Behandlung können sogenannte ARIA (amyloid-related imaging abnormalities) auftreten. Das sind Schwellungen oder kleine Blutungen im Gehirn, die häufiger beobachtet wurden als unter Placebo. Diese Nebenwirkungen verursachten jedoch meist nur Beschwerden wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Verwirrtheit oder Schwindel. Um riskantere Auswirkungen frühzeitig zu erkennen, sind zu festgelegten Zeitpunkten MRT-Kontrollen erforderlich – ohne diese darf die Therapie nicht fortgesetzt werden.

Bei etwa einem Viertel der Behandelten kam es zu infusionsbedingten Reaktionen. Diese waren überwiegend leicht bis mässig und zeigten sich in Form von Fieber, Schüttelfrost oder Hautrötungen – vor allem bei der ersten Infusion. Unter Donanemab wurde die Behandlung geringfügig häufiger abgebrochen als unter Placebo. Die meisten Nebenwirkungen traten innerhalb der ersten sechs Monate auf und betrafen häufiger Personen mit zwei ApoE-ε4-Allelen, weshalb diese von der Therapie ausgeschlossen wurden. Auch dürfen Personen, welche Gerinnungshemmer einnehmen, nicht mit Donanemab behandelt werden. Todesfälle, welche auf das Medikament zurückzuführen sind, konnten jedoch in den Studien nicht festgestellt werden.

Stand der Zulassung
Am 4. Februar 2026 hat Swissmedic den Wirkstoff Donanemab auch für die Schweiz offiziell zugelassen. Dies birgt Hoffnung für Betroffene. Alzheimer Schweiz begrüsst den Entscheid, betont jedoch, dass viele Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen weiterhin vor grossen Herausforderungen stehen, vor allem da der neue Wirkstoff nur für wenige Menschen mit Demenz infrage kommt.

Swissmedic wollte den zweiten ähnlich funktionierenden Wirkstoff Lecanemab, der in der Schweiz hergestellt wird, nur unter strengen Auflagen zulassen. Deshalb zog der Hersteller Eisai kürzlich sein Zulassungsgesuch für Lecanemab für die Schweiz zurück.