In Glovelier, einer Gemeinde im Kanton Jura, stellt José Forlani seit dreizehn Jahren einmal im Monat sein Café «Restaurant de la Gare» Alzheimer Jura einen Nachmittag lang zur Verfügung. Am frühen Nachmittag treffen die ersten Gäste im Café ein und werden begrüsst von Claudine Zurcher, der Organisatorin des «Café Alzheimer», und Mitarbeiterin des Vereins «La Valse du Temps», der zwei Tageszentren für Menschen mit neurokognitiven Störungen vom Typ Alzheimer betreibt. Für die musikalische Untermalung sorgt Sylvia Moritz, Sekretärin von Alzheimer Jura, mit ihrem Akkordeon. Die Gäste betreten den Raum mit einem Lächeln auf den Lippen, umarmen Claudine und einige beginnen zu tanzen, sobald sie die Schwelle überschritten haben. Als Sylvia «Étoile des neiges» spielt, stimmt das Publikum sofort in den Refrain ein. 

Das Café füllt sich und schon bald sitzen etwa dreissig Personen an den Holztischen, die Claudine und ihr Team zuvor aufgestellt haben. Heute empfangen sie zwei Gruppen von «La Valse du Temps», eine Gruppe aus einem Altersheim sowie einige spontan erschienene Personen. Kateryna, die vom Restaurantbesitzer angestellte Servicefachfrau, übernimmt die Leitung und wirbelt um die Tische herum, Claudine hilft den Gästen beim Gang zur Toilette und sorgt dafür, dass die Schüchternsten nicht vergessen werden. Der Raum ist gefüllt mit einem fröhlichen Gewirr aus Lachen und Gesprächen. 
 

Zuhören und Café trinken
An jedem Anlass informiert jemand kurz über ein interessantes Thema. Dieses Mal stellt Anne Rossier ihre Arbeit vor. Sie bietet personalisierte Betreuung an und ist dabei oft als Vermittlerin für pflegende Angehörige tätig. Sie hat zudem eine Ausbildung in tiergestützter Therapie abgeschlossen. Nun ist sie im Einsatz zusammen mit ihrer Hündin Foxy, «die gut mit Menschen arbeiten kann». Geistesgegenwärtig reagiert ein Teilnehmer und Hundeliebhaber auf ihre Ausführungen und bellt zwei Mal. Am Ende der bewusst kurz gehaltenen Präsentation ruft eine Teilnehmerin aus: «Das ist ein schöner Service für ältere Menschen mit schlechter Gesundheit. Die haben aber Glück!»

Dann greift Sylvia wieder zu ihrem Akkordeon. Die Leute unterhalten sich, tanzen und lachen. Eine besonders energiegeladene Teilnehmerin zieht fast den ganzen Saal in einen fröhlichen Reigen hinein und lässt alle unter den Armen der anderen durchtanzen. Der Nachmittag neigt sich dem Ende zu, die Gruppen verlassen mit ihren Begleitpersonen und einem Lächeln auf den Lippen das Alzheimer-Café.
 

Ein beflügelnder Nachmittag
Claudine spricht mit einem Paar, welches das Angebot kennenlernen wollte. France-Anne Andrist, ehemalige Präsidentin von Alzheimer Jura, erzählt, dass manche Menschen, die beim Gehen Schwierigkeiten haben, plötzlich wunderbar tanzen können. Claudine berichtet auch von der Dankbarkeit von Angehörigen, die bei ihren Eltern nach dem Besuch des Anlasses aussergewöhnliche Fortschritte beobachtet haben.

Die mehr als 30 Teilnehmenden des Alzheimer-Cafés schätzen das Angebot von Alzheimer Jura, weil diese Nachmittage eine Möglichkeit bieten, wie früher zu leben: Man kann ausgehen, etwas trinken, Musik hören und tanzen, ohne die Blicke anderer fürchten zu müssen. Es ist ein Moment des Miteinanders, in dem für ein paar Stunden alle Unterschiede verschwinden.