Martina begleitet das Thema Demenz seit ihrer Kindheit. Beide Grossväter erkrankten – zuerst einer kurz nach der Pensionierung, später der andere im hohen Alter. Nie hätte sie gedacht, dass Jahre später ihre eigene Mutter die Diagnose Alzheimer mit gerade einmal 61 Jahren erhält. Schritt für Schritt ist Martina in die Rolle der Hauptbezugsperson hineingewachsen: Finanzen und Administration übernehmen, Umfeld koordinieren, schwierige Entscheidungen treffen. Gleichzeitig erlebte sie, wie wenig Angebote es für jüngere Menschen mit Demenz gibt und wie oft selbst Fachleute ratlos sind.

Genau deshalb möchte sie heute dazu beitragen, dass andere nicht so allein dastehen. Auf der Austauschplattform alzpeer von Alzheimer Schweiz bietet sie sich als Gesprächspartnerin an. Ihr persönlich hat der Austausch mit jemandem in einer ähnlichen Situation gefehlt. Jetzt sieht sie es als ihre Aufgabe, ihr Wissen weiterzugeben und diese Unterstützung für andere zu bieten. 

Ihren ersten Austausch empfand sie als sehr bereichernd. «Ich sah meine Rolle zuerst vor allem darin, Fragen zu beantworten und zu begleiten. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das auch für mich heilsam ist. Es tut einfach unglaublich gut, zu hören, dass da jemand genau in der gleichen Situation ist und sich ebenfalls etwas machtlos und ratlos in diesem System fühlt. Der Austausch mit jemandem, der dasselbe durchlebt, ist für beide stärkend.»

Sich auf Leute einzulassen, die man nicht kennt, erfordert etwas Mut. Martina hat hier eine pragmatische Erwartungshaltung. Wenn sie nicht alle Fragen beantworten kann, ist das okay. «Wir sind keine Fachpersonen, sondern Angehörige, die einfach viel erlebt haben. Ich glaube aber auch, dass allein dieses Er zählen – gerade für jemanden, der einen sonst nicht kennt – unglaublich wertvoll ist. Ob ich dann eine konkrete Antwort habe oder nicht: Manchmal ist es schon genug, dass jemand zuhört und es ernst nimmt.»

Mehr Mut wünscht sie sich auch für andere Bezugspersonen von Men schen mit Demenz. Sie möchte Leute ermutigen, sich für ein Gespräch zur Verfügung zu stellen oder das Angebot wahrzunehmen. Denn sie ist über zeugt: «Man hat gar nichts zu verlieren, sondern kann nur gewinnen.»