Was mir auch sehr wichtig ist: der Kontakt zu anderen Menschen. Seit fast einem Jahr lebe ich in einer kleinen Altenwohnung in Thun. In den vierzig Wohnungen hier wohnen ältere Menschen – mit und ohne Beeinträchtigungen.
Ich esse dreimal die Woche im hauseigenen Restaurant, wo täglich zwei Menüs angeboten werden und auch Dienstleistungen abgerechnet werden können. Wenn immer möglich freue ich mich auf den Zvieri, der dort gratis serviert wird. Das ist für mich nicht nur eine Mahlzeit – es ist ein Stück Normalität. Und ein Ort für Begegnung. So bleibe ich im Gespräch, eingebunden, lebendig.
Es war nicht leicht, mir selbst einzugestehen, dass ich Hilfe brauche. Doch genau darin liegt auch eine neue Form von Stärke. Ich lerne, mich nicht zu verurteilen, wenn ich etwas vergesse. Ich lerne, mir mit Freundlichkeit zu begegnen – so wie ich es auch bei anderen tun würde.
Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft den Umgang mit Demenz verändert. Dass Menschen nicht nur auf ihre Defizite reduziert werden. Dass ihre Sichtweisen gehört und ernst genommen werden. Denn Demenz ist nicht nur ein Abschied. Vielleicht ist sie auch ein Anfang. Ein Anfang für neue Wege des Zusammenlebens. Für mehr Achtsamkeit, mehr Mitgefühl, mehr Menschlichkeit.
Ja, ich vergesse ab und zu Namen. Und ja – das passiert auch Jüngeren. Ist das also einfach normal? Ich wollte es genau wissen, wollte wissen, was ich tun kann. Ich stehe noch am Anfang dieser Reise ins Vergessen. Und ich weiss: die Krankheit wird fortschreiten, manches wird schwieriger werden. Aber darüber denke ich nach, wenn es so weit ist. Noch komme ich klar – meistens jedenfalls.
Ich bleibe zuversichtlich. Und ich geniesse das Leben, mit allem, was noch geht.
„S’chunt, wiäs chunt – und das isch guet so.“ Oder, wie ich früher zu sagen pflegte: „Chopf schüttle und vorwärts luege.“
Hier schreibt: Silvia
Silvia ist 74 Jahre alt und blickt auf ein erfolgreiches Berufsleben zurück. Bis zur Diagnose drehte sich ihr Leben um den Austausch mit Menschen- die Kommunikation war ihr berufliches Tätigkeitsfeld. Mit der Diagnose hat sich einiges verändert. Darüber zu sprechen, was sie bewegt, ist ihr wichtig – denn noch findet sie die Worte.
Haben Sie Fragen an uns oder Silvia? Schreiben Sie uns auf communication[at]alz.ch
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