Demenzerkrankungen sind bis heute nicht heilbar und haben als chronische Erkrankungen einen fortschreitenden Verlauf. Deshalb ist Prävention sehr wichtig.
Demenzprävention hat verschiedene Ziele. Durch einen gesunden Lebensstil und die Behandlung von Gesundheitsproblemen lässt sich das Krankheitsrisiko verringern. Andere Massnahmen helfen dabei, eine bereits ausgebrochene Demenzerkrankung zu verlangsamen oder Komplikationen wie z. B. eine Mangelernährung bei Menschen mit Demenz zu verhindern.
Risikofaktoren
Heute sind viele Risikofaktoren bekannt, die Alzheimer und andere Demenzformen begünstigen. Der grösste Risikofaktor ist das Alter: Obwohl eine Demenzerkrankung nicht zum normalen Alterungsprozess gehört, steigt das Risiko einer Erkrankung mit zunehmendem Alter. Frauen sind ausserdem häufiger von Demenz betroffen als Männer: Die längere Lebenserwartung sowie der Hormonhaushalt könnten mögliche Gründe sein. Ein weiterer, nicht beeinflussbarer Risikofaktor ist die genetische Veranlagung. Allerdings sind nur etwa 1 Prozent aller Alzheimer-Erkrankungen ausschliesslich auf genetische Faktoren zurückzuführen.
Neben den nicht veränderbaren Faktoren (Alter, Geschlecht, Genetik) gibt es laut einer aktuellen Studie 14 Risikofaktoren, die beeinflussbar sind und für rund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen weltweit verantwortlich sind (Livingston, G. et al., 2024). Deren Einfluss ist von der Lebensphase abhängig. Diese 14 Risikofaktoren sind:
Ein tieferes Bildungsniveau gilt als Risikofaktor für Demenz, da das Gehirn dabei weniger sogenannte kognitive Reserve aufbaut. Diese Reserve wirkt wie ein Schutzpolster: Wer viel lernt, geistig aktiv bleibt und sich mit anderen austauscht, trainiert sein Gehirn und kann Veränderungen länger ausgleichen.
Das heisst nicht, dass Bildung allein vor Demenz schützt – aber geistige Aktivität, soziale Kontakte und neue Erfahrungen helfen, die geistige Fitness zu stärken. Einfach gesagt: Was fürs Gehirn anregend ist, macht es widerstandsfähiger.
Hören ist weit mehr als nur ein Sinnesorgan – es verbindet uns mit unserer Umwelt, ermöglicht Kommunikation und fördert soziale Interaktion. Doch viele Menschen unterschätzen die Bedeutung eines intakten Gehörs für die geistige Gesundheit. Studien zeigen: Wer im mittleren Lebensalter eine unbehandelte Hörminderung hat, trägt ein erhöhtes Risiko, später an Demenz zu erkranken.
Ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel fördert die Bildung von schädlichen Eiweissablagerungen, der sogenannten Amyloid-Plaques, die bei der Alzheimer-Krankheit im Gehirn auftreten. Liegt der Cholesterinspiegel im Normalbereich, zum Beispiel durch die Einnahme cholesterinsenkender Medikamente, sinkt das Risiko deutlich. Allerdings sollte dies bereits im mittleren Lebensalter erfolgen.
Gerade zu Beginn beider Erkrankungen (Demenz und Depression) ist es nicht einfach zu erkennen, ob depressive Symptome Ausdruck einer beginnenden Demenz sind – oder ob es sich um eine Depression handelt, die kognitive Beeinträchtigungen mit sich bringt.
Menschen mit einer Demenz können zu Beginn depressiv werden, wenn sie erleben, dass Gedächtnis und Konzentration nachlassen und der Alltag schwieriger wird. Umgekehrt kann auch eine Demenz eine Depression auslösen.
Eine leichte traumatische Hirnverletzung (TBI) ist als Gehirnerschütterung definiert, eine schwere Kopfverletzung umfasst u.a. Schädelbruch, Ödeme oder Blutungen.
Häufige Ursachen sind Verkehrsunfälle aber auch bestimmte Sportarten (z. B. Boxen, Reiten oder Fussball). Das Demenzrisiko steigt mit der Schwere und Anzahl der Kopfverletzungen. Auch bei früh einsetzender Alzheimer-Demenz spielen Kopfverletzungen eine Rolle. Studien mit Militärveteranen zeigten ein klares Risiko je nach Schwere der Verletzung. Insgesamt zeigt sich: Gehirnverletzungen – besonders wenn schwer oder mehrfach – erhöhen das Demenzrisiko signifikant. Leider können Kopfverletzungen nicht immer vermieden werden, aber besonders im Sport kann man vorbeugen durch beispielsweise weniger Kopfbälle, Helme und sonst passenden Kopf- und Körperschutz.
Neben ungesunden Essgewohnheiten macht uns auch der Bewegungsmangel zu schaffen. Wir sitzen heutzutage zu häufig – im Büro, im Auto und zu Hause – mit Folgen für die Gesundheit. Bewegung ist nicht nur wichtig für die körperliche, sondern auch für die geistige Gesundheit. Einerseits fördert Bewegung die Durchblutung des Gehirns und regt es an, neue Nervenzellen und Vernetzungen zu bilden. Andererseits schützt Bewegung z. B. vor Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Übergewicht, die wiederum eine Demenzerkrankung begünstigen.
Ein schlecht eingestellter Blutzucker kann auch das Gehirn belasten. Gefässe und Nervenzellen werden geschädigt, das Denkvermögen leidet. Zudem lagern sich eher Eiweisse im Gehirn ab, die typisch für Alzheimer sind. Auch Entzündungen im Körper spielen eine Rolle. Wer seinen Blutzucker gut kontrolliert und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck behandelt, kann das Risiko deutlich senken.
Raucher haben ein höheres Demenzrisiko als Nichtraucher. Ein Rauchstopp senkt das Demenzrisiko deutlich – selbst im höheren Alter. Bei über 60-jährigen Männern reduzierte beispielsweise ein Rauchstopp von mehr als vier Jahren das Risiko an Demenz zu erkranken über die nächsten acht Jahre im Vergleich zu weiterhin Rauchenden. Was man von diesen Erkenntnissen herausnehmen kann, ist dass es nie zu spät ist, noch mit den Rauchen aufzuhören.
stopsmoking.ch hat, damit dies gelingt eine hilfreiche Zusammenstellung von Tipps: Legen Sie ein fixes Datum fest und starten Sie ab dann rauchfrei. Halten Sie Ihre Motivation und Ihr Vorgehen schriftlich fest. Informieren Sie Familie und Freundeskreis, und entsorgen Sie Zigaretten sowie Aschenbecher. Durchbrechen Sie gewohnte Rauchrituale – ein Zug ist bereits einer zu viel. Verwenden Sie bei Bedarf Nikotinersatzprodukte. Bitten Sie Ihr Umfeld, in Ihrer Nähe nicht zu rauchen. Bei Verlangen hilft Ablenkung. Bleiben Sie dran – es lohnt sich.
Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für Demenz, weil er die Blutgefässe im Gehirn langfristig schädigt. Ein dauerhaft erhöhter Druck kann zu kleinen Gefässverletzungen, Durchblutungsstörungen und sogenannten Mikroinfarkten führen. Diese Veränderungen beeinträchtigen die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen. Gleichzeitig begünstigt Bluthochdruck die Entstehung von Amyloid-Plaques und Tau-Ablagerungen, die typisch für Alzheimer sind. Besonders in der Lebensmitte erhöht unbehandelter Bluthochdruck deutlich das Risiko, im Alter an einer Demenz zu erkranken.
Adipositas ist ein Risikofaktor für Demenz, weil sie mehrere Belastungen für das Gehirn mit sich bringt: Sie begünstigt Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen und schwächt damit die Durchblutung des Gehirns. Das überschüssige Fettgewebe löst zudem chronische Entzündungen aus, die Nervenzellen schädigen können. Durch die häufige Folge einer Insulinresistenz steigt ausserdem die Gefahr, dass sich krankhafte Ablagerungen im Gehirn bilden. Studien zeigen, dass Adipositas in der Lebensmitte auch mit einem schnelleren Abbau von Hirnvolumen verbunden ist.
Übermässiger Alkoholkonsum schädigt das Gehirn und ist mit Veränderungen im Gehirn, kognitiven Beeinträchtigungen und einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Neue Studien zeigen, dass die Beziehung zwischen Alkohol und Demenz komplex ist und auch von kulturellen sowie gesundheitlichen Faktoren beeinflusst wird. Aufgrund dessen zielen die aktuellen Empfehlungen zurzeit darauf hin, den Konsum moderat zu halten.
Um den Konsum zu reduzieren, versuchen Sie daher mal zu beobachten, in welchen Situationen Sie Alkohol trinken (z.B. unter Freunden oder am Abend zum Entspannen) und überlegen Sie, was Sie sonst in dieser Situation tun könnten (z.B. einen alkoholfreien Cocktail zu trinken oder andere Arten von Entspannungstechniken ausprobieren).
Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Menschen, die sozial aktiv und eingebunden sind, länger geistig fit bleiben und weniger häufig an Demenz erkranken. Forschende vermuten, dass das Gehirn in Gesellschaft anderer Menschen auf vielfältige Weise angeregt wird: So müssen Sie aufmerksam zuhören, um die Gesprächsinhalte zu verstehen und sich daran zu erinnern, sowie Ihre sprachlichen Fähigkeiten nutzen, um mitreden zu können. Dieser gleichzeitige Ablauf komplexer geistiger Prozesse trägt dazu bei, Ihre kognitive Reserve zu erhöhen, was das Gehirn widerstandsfähiger macht. Darüber hinaus wirkt sich das Pflegen von sozialen Kontakten positiv auf die psychische Gesundheit aus: Es kann Faktoren, die eine Demenzerkrankung begünstigen, wie Depressionen, Stress und Einsamkeit entgegenwirken. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihre sozialen Kontakte pflegen und an sozialen Aktivitäten teilnehmen.
Luftverschmutzung stellt nicht nur eine Belastung für unsere Umwelt dar, sondern zählt zu den grössten Risiken für unsere Gesundheit. Die Quellen von Luftverschmutzung im Freien sind vielfältig und reichen von Verkehrsemissionen über Industrieabgase bis hin zu Waldbränden. Sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten kann eine Verschmutzung durch Feinstaub verschiedene Krankheiten wie Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Lungenkrebs oder Atemwegserkrankungen begünstigen.
Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass diese Luftschadstoffe auch negative Auswirkungen auf unser Gehirn haben und das Risiko für die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzformen erhöhen. Neben der Luftverschmutzung im Freien können Luftverschmutzungen in Innenräumen, z. B. verursacht durch die Verwendung von Holz- und Kohleöfen, die Gesundheit gefährden und somit die Entwicklung einer Demenzerkrankung fördern.
Eingeschränktes Sehvermögen kann das Demenzrisiko erhöhen. Ähnlich wie bei einer Schwerhörigkeit führt auch eine Sehschwäche oft dazu, dass sich Betroffene zurückziehen und soziale Kontakte abnehmen – ein bekannter Risikofaktor. Deshalb empfehlen Fachleute, Sehprobleme frühzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln.
Weitere Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung sind unter anderem eine ungesunde Ernährung, Schlafstörungen (z. B. weniger als 7 Stunden Schlaf pro Nacht) sowie wenig geistige Anregung.
Vorbeugende Massnahmen
Viele dieser Risikofaktoren lassen sich durch einen gesunden Lebensstil und die frühzeitige Behandlung von Gesundheitsproblemen aktiv verändern.
Wer körperlich aktiv ist, sich gesund ernährt, auf Rauchen verzichtet, Alkohol nicht oder gemässigt konsumiert und Gesundheitsprobleme wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes und Adipositas frühzeitig behandelt, kann das Demenzrisiko verringern. Dies gilt insbesondere für das Risiko an einer vaskulär bedingten Demenz (die zweithäufigste Demenzform) zu erkranken. Diese Risikofaktoren begünstigen auch Schlaganfälle und Herzinfarkte, die wiederum das Risiko für eine vaskuläre Demenz erhöhen. Generell gilt: Was gut fürs Herz ist, ist auch gut fürs Hirn.
Bestimmte Risikofaktoren wie ein geringes Bildungsniveau, soziale Isolation, Depression oder Hörbeeinträchtigungen spielen insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit eine Rolle. Diese Faktoren wirken sich negativ auf die kognitive Reserve des Gehirns aus. Die kognitive Reserve ist so etwas wie ein «Notvorrat» für unser Gehirn: Dieses besitzt die Fähigkeit, beim Absterben von Nervenzellen alternative Nervenverbindungen zu nutzen oder bestehende Verbindungen effizienter zu verwenden. Je zahlreicher die Verbindungen zwischen den Nervenzellen sind und je höher damit die kognitive Reserve ist, desto besser und länger kann unser Gehirn die durch die Alzheimer-Krankheit bedingten Hirnveränderungen kompensieren. Dadurch treten Symptome im Alltag erst später auf und eine Erkrankung lässt sich hinauszögern. Indem man seine sozialen Kontakte pflegt, geistig stimulierende Freizeitaktivitäten unternimmt sowie Schwerhörigkeit frühzeitig behandelt, kann die kognitive Reserve stabilisiert oder sogar erhöht werden.
Lebenslange Prävention
Die Anzeichen von Alzheimer zeigen sich häufig erst viele Jahre später, nachdem sich die charakteristischen Eiweissablagerungen im Gehirn gebildet haben oder man Risikofaktoren ausgesetzt war. Deshalb lohnt es sich immer, die Hirngesundheit zu fördern und mit Demenzprävention anzufangen. Während Risikofaktoren wie z. B. ein geringes Bildungsniveau bereits in jungen Jahren eine grosse Rolle spielen, können kognitiv anregende Aktivitäten wie ein Musikinstrument oder eine Fremdsprache lernen in jedem Alter angefangen werden und sich positiv auswirken. Ein gesunder Lebensstil sowie geistige, soziale und körperliche Aktivitäten fördern während des gesamten Lebens die Gesundheit unseres Gehirns und unser Wohlbefinden.
Auch bei einer bereits bestehenden Demenz tragen die oben beschriebenen Massnahmen dazu bei, Folgeerkrankungen vorzubeugen und die Lebensqualität der Erkrankten zu erhalten. Neben diesen nichtmedikamentösen Ansätzen können auch Medikamente dazu beitragen, möglichen Folgeerkrankungen oder Komplikationen vorzubeugen. Beispielsweise können sogenannte Antidementiva helfen, den Verlauf einer bestehenden Erkrankung zu verlangsamen und Begleitsymptome wie Unruhe oder Halluzinationen zu lindern. Diese Medikamente erfordern jedoch ein ärztliches Rezept. Weitere Wirkstoffe werden zurzeit erforscht, die darauf abzielen, die Alzheimer-Krankheit in einem frühen Stadium zu verlangsamen.
Quelle: Livingston, G., Huntley, J., Liu, K. Y., Costafreda, S. G., Selbæk, G., Alladi, S., ... & Mukadam, N. (2024). Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet






