Hören wir «Prävention», denken wir fast automatisch an «verhindern» oder «vorbeugen». Aber Prävention ist mehr: Sie bedeutet nach einer Demenzdiagnose auch verlangsamen und unterstützen. Denn auch wer bereits die Diagnose erhalten hat, kann durch vorbeugende Massnahmen den Krankheitsverlauf verlangsamen und gesundheitliche Komplikationen verringern. Es ist nie zu früh und nie zu spät, mit Demenzprävention zu beginnen.
 

Risikofaktoren mit unterschiedlicher Priorität
Das grösste und nicht beeinflussbare Risiko, an Demenz zu erkranken, ist das Alter. Ein Forschungsteam um Gill Livingston, die Lancet-Kommission, hat jedoch weitere Risikofaktoren systematisch analysiert und zusammengestellt. Diese momentan 14 Faktoren umfassende Liste wird laufend gemäss den neusten Forschungsergebnissen erweitert. Die meisten Risikofaktoren lassen sich durch Präventionsmassnahmen beeinflussen und können damit auch den Verlauf der Demenzerkrankung beeinflussen oder sogar herauszögern. Das Interessante an der Liste der Risikofaktoren: Sie gelten für Menschen ohne Symptome, für Personen mit einem genetisch erhöhten Risiko für eine Demenz, aber auch für bereits Erkrankte – in unterschiedlicher Priorität. 
 

Zwei Faktoren dabei besonders wichtig
Die Faktoren «Ernährung» und «körperliche Aktivität» haben einen hohen Stellenwert bei einer bereits fortgeschrittenen Demenz. Erfahrungen zeigen, dass gerade regelmässige und moderate Bewegung einen positiven Effekt bei Menschen mit Demenz zeigen und unterstützend auf den Erhalt der kognitiven Reserve wirkten und der Gebrechlichkeit entgegenwirkt. Auch kann körperliche Aktivität das Fortschreiten der Demenzerkrankung verringern und die geistigen Fähigkeiten aufrechterhalten, indem sie sich direkt auf Prozesse im Gehirn auswirkt.  

Legt man zusätzlich besonderes Augenmerk auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung – eventuell nach mediterranem Vorbild –, wirkt man zudem positiv auf weitere Gesundheitsprobleme wie Diabetes oder auch Bluthochdruck ein, die wiederum unbehandelt eine Verstärkung der demenziellen Veränderung bedeuten können.
 

Gesundheitsprobleme und Verhalten hinterfragen
Ebenso entscheidend ist es, einen Hör- und Sehverlust auszugleichen. Zudem sollten auch andere bestehende Erkrankungen wie Depression, Diabetes, Bluthochdruck, und Adipositas abgeklärt und behandelt werden. Auch «liebgewonnene», aber gesundheitlich negative Gewohnheiten wie erhöhter Alkoholkonsum oder das Rauchen verdienen einen kritischen Blick und mitunter eine Anpassung des Lebensstils. Alles mit dem Ziel, die Lebensqualität so lange als möglich zu erhalten.


Einfache Techniken, das Verhalten anzupassen
Eigentlich wissen wir, dass wir uns mehr bewegen und weniger ungesunde Genussmittel essen sollten – aber bei der langfristigen Umsetzung geben wir oft auf. Dr. Valérie Bösch, die auf dem Gebiet der Gesundheitsverhaltensänderung bei älteren Erwachsenen geforscht hat, erläutert: «Gesundheitspsychologische Studien zeigen: Die Absicht, etwas zu verändern, führt nicht automatisch zu einer tatsächlichen Verhaltensänderung.» Diese Lücke zwischen Wollen und Handeln wird als Intentions-Verhaltenslücke bezeichnet – und erklärt, warum gute Vorsätze oft nicht umgesetzt werden. Wissenschaftlich fundierte Techniken können helfen, diese Lücke zu überwinden: