«Als ich vor 17 Jahren im Pflegeheim meine Stelle angetreten habe, durfte man nicht sagen, Ihr Vater hat Demenz. Seither haben wir grosse Fortschritte gemacht.» Theres Meierhofer, Leiterin des Pflegeheims Erlenhaus, hat viel dazu beigetragen. Deshalb wurde sie 2015 von Alzheimer Obwalden / Nidwalden angefragt, ob sie das Pilotprojekt einer demenzfreundlichen Gemeinde umsetzen möchte.
 

Gemeinde stand dahinter

Im Januar 2016 erteilte der Gemeinderat seine Zustimmung und schon fünf Monate später fand die Startveranstaltung statt. Damals wurde unter anderem als Ziel festgehalten, das Bild von Menschen mit Demenz positiv zu beeinflussen und ihnen sowie ihren Angehörigen die Teilnahme an der Gesellschaft zu ermöglichen. Stigmatisierung sollte abgebaut und die Akzeptanz von Individualität und Vielfalt gefördert werden. Alzheimer Obwalden / Nidwalden und die Leiterin des Pflegeheims Erlenhaus organisierten Informationsveranstaltungen mit Vertreter_innen aus Bevölkerung, Schule, Tourismus und dem Kloster, die auf ein gutes Medienecho stiessen. Auch Einzelpersonen waren als Botschafter_innen tätig: Die Frau des ehemaligen Gemeindepräsidenten spazierte z.B. jeden Tag mit ihrer an Demenz erkrankten Mutter durch das Dorf. Das transportierte die Botschaft: Ich schäme mich nicht für meine Mutter, sondern integriere sie in den Alltag. 

Durch solche Vorbilder und die Veranstaltungen stieg die Sensibilisierung in Engelberg. Theres Meierhofer schulte die Mitarbeitenden der Dorfläden im Umgang mit Menschen mit Demenz. Drei Jahre nach Projektbeginn feierte Engelberg die Umsetzung der demenzfreundlichen Gemeinde mit einer Schlussveranstaltung. Doch die Idee lebt weiter und Theres Meierhofer wird heute als Kontaktperson der demenzfreundlichen Gemeinde fallbezogen aktiv: Ein Paar aus dem Pflegeheim geht gerne im Dorf Döner essen – beide haben den Umgang mit Geld verlernt. Deshalb diskutierte Theres Meierhofer mit dem Geschäft: «Im Gespräch finden wir immer eine Lösung, damit Menschen mit Demenz möglichst wenig eingeschränkt sind.» In Engelberg wohnen aktuell ungefähr 25 Menschen mit Demenz im Pflegeheim und ungefähr gleich viele leben noch zu Hause. Die Bevölkerung ist heute so sensibilisiert, dass die Engelberger_innen im Pflegeheim anrufen, wenn sich eine Person mit Demenz verirrt hat.
 

Inklusion ergibt sich von selbst

Zum Einbezug von Menschen mit Demenz in die Gesellschaft (Inklusion) haben Theres Meierhofer und Regula Gerig eine klare Meinung: In einer ländlichen Region ist dieser relativ einfach möglich. Regula Gerig: «Man kennt sich schon lange. Die Vereine passen ihr Programm für Mitglieder mit Demenz an.» Theres Meierhofer bestätigt: «Die Vereine wenden sich erst an mich, wenn sie beim Einbezug solcher Mitglieder an ihre Grenzen stossen.» Für sie ist Inklusion das oberste Ziel: «Ich möchte die Organisator_innen von Veranstaltungen so fit machen, dass auch Menschen mit Demenz Platz haben. Bei unserem Engelberger Altersnachmittag gehören Menschen mit Demenz selbstverständlich dazu.»