Der Verein teilhaben hat gemeinsam mit Alzheimer Aargau und dem Spitex Förderverein Fricktal ein innovatives Projekt lanciert: Menschen mit und ohne Demenz gestalten freiwillig engagiert ein Freizeitangebot. Jeden Mittwoch von 10 bis 17 Uhr treffen sie sich in der Gemeinde Wallbach im ZentrumsTräff. Das Angebot richtet sich an Menschen, die zwischen 50 und 70 Jahre alt sind und in der Aargauer Region Fricktal wohnen. Das Herz des Projekts ist eine kleine Gruppe engagierter pensionierter Menschen, die ihre langjährigen Erfahrungen im Pflegebereich in ein Angebot für Jungbetroffene einbringt.

Ein neuer Ansatz auf Augenhöhe
Maximal acht Teilnehmende begegnen sich im Projekt Ankerplatz auf Augenhöhe. Der ehemalige Psychiatriepfleger Andreas Köchli erklärt: «Wir entscheiden gemeinsam, was wir kochen und welche andere Freizeitaktivitäten wir machen.» Suzanne Weingart, Initiantin der Idee mit einem Master in Gerontologie, fügt hinzu: «Wir überlegten: Wie würde ich gerne behandelt werden, wenn ich betroffen wäre?» Ein Projektziel ist, dass die Mitgestaltenden ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen und durch das Entwickeln von Zugehörigkeit und Mitverantwortung zu persönlichem und gemeinsam erlebtem Wohlbefinden aktiv beitragen.
 

Freiheit beflügelt
Dem neuartigen Ansatz schlug zu Beginn Skepsis entgegen. Es hiess, Menschen mit Demenz seien von einer solchen Mitwirkung überfordert. Das Projektteam hat dies bezweifelt und wurde bestätigt. Brigitte Scartazzini, ehemalige Spitex-Mitarbeiterin mit Demenzausbildung, ist überzeugt: «Man muss den Mut haben, einen anderen Weg zu gehen. Wir glauben wirklich fest daran, dass es funktioniert, und diese Begeisterung im Team ist ein starker Antrieb.» Andreas Köchli lässt sich von der Neuartigkeit des Projekts beflügeln: «Wir müssen weder mit Krankenkassen abrechnen noch Dutzende von Vorgaben erfüllen, sondern haben die Möglichkeit, etwas ergebnisoffen auszuprobieren.» Grosszügige Spenden ermöglichen dies.
 

Zukunftsweisendes Vorgehen
Das Angebot soll jedoch nicht nur in Wallbach funktionieren: Aus den Erkenntnissen will das Mitgestaltungsteam ein «Good-Practice-Büchlein» erstellen, um andere zur Nachahmung zu motivieren. Für Suzanne Weingart ist die Sensibilisierung für den Umgang mit Demenz wichtig: «Wir wollen herausfinden, ob man Lösungsansätze verfolgen kann, die auf vorhandenen Ressourcen aufbauen.»

Alzheimer Aargau beteiligt sich an diesem Pioniermodell für Jungbetroffene als Trägerpartnerin. Zudem bringt Geschäftsstellenleiterin Marianne Candreia als Mitglied des Projektteams ihre Expertise ein. Alzheimer Aargau erhofft sich von diesem neuen Konzept eine schweizweite Ausstrahlung, da es zur Entstehung einer Caring Community beiträgt. In einer solchen Gemeinschaft sorgen Menschen füreinander und unterstützen sich gegenseitig.