Wir treffen uns im MCBA, dem Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne. Vorgesehen ist eine einstündige Führung mit anschliessendem Imbiss in Begleitung von Cécilia Bovet, Kulturbeauftragte des MCBA, und Emmanuelle Bienz, Ausbildungsassistentin von Alzheimer Vaud. Im Rahmen des Projektes pARTage bilden jeweils eine Person mit Gedächtnisproblemen und eine Freiwillige ein Team.
Eine Reise voller Erinnerungen
Im ersten Stock setzen wir uns im Halbkreis um Cécilia herum, die Freiwilligen etwas weiter hinten. Das erste Werk ist ein imposantes Ölgemälde, eine Genreszene am Meer, die von einer wunderbaren Helligkeit erfüllt ist. Je nach Reaktion stellt Cécilia offene Fragen wie «Was sehen Sie?» oder genauere Fragen wie «Erkennen Sie ein Instrument?», bevor sie uns den Titel und den Namen des Künstlers verrät: «Dies ist das Gemälde ‹La Tarantelle›, das Jacques Sablet 1799 gemalt hat.» Cécilia erkundigt sich, ob sie ein Tarantella-Lied auf ihrem tragbaren Lautsprecher vorspielen soll. Zudem fragt sie die Runde, wer gerne tanzt. Eine Frau antwortet: «Früher ja, aber jetzt fällt mir das Gehen schwer.»
Emotionen im Dialog mit Rodin
Zwei Räume weiter sehen wir eine Bronzeskulptur, die ein sich zärtlich umarmendes Paar darstellt. Cécilia fragt, was die Teilnehmenden angesichts dieses Kunstwerks empfinden. Jemand sagt, dass sie sich mögen. Ein Teilnehmer ruft aus: «Das ist ein schöner Liebesbeweis.» Cécilia erzählt, dass Auguste Rodin idealisierte Körper zeigen wollte und das damalige Publikum die Skulptur «Der Kuss» nannte. Cécilia nimmt jeden Vorschlag ermutigend auf und schlägt eine Brücke zur Lebenswelt der Teilnehmenden.
Kunst lässt niemanden gleichgültig
Danach setzen wir uns vor eine breite Leinwand, auf der sich parallele vertikale Linien in Weiss, Grün und Rot zu bewegen scheinen. Die Reaktionen kommen sofort: «Mir tun fast die Augen weh.» «Es ist, als ob es sich bewegt.» Der Lausanner Künstler Philippe Decrauzat will, dass der Körper und nicht der Geist auf sein Werk reagiert. Die Gruppe findet, dass «es komisch ist» oder «es nichts bedeutet», und lacht über die Idee, dieses Werk zu Hause aufzuhängen, weil es für die Augen störend ist. Cécilia schliesst mit der Feststellung, dass man das Recht hat, etwas zu mögen oder nicht zu mögen, worauf ein Teilnehmer erwidert: «Glücklicherweise!»
Gemeinsame Momente bei Kaffee und Kuchen
Der Nachmittag klingt mit einem Imbiss aus. Danach tragen Emmanuelle und Cécilia mit den Freiwilligen Verbesserungsvorschläge zusammen. Cécilia erinnert: «Wir wollen, dass die Teilnehmenden den Moment geniessen und ein Erfolgserlebnis haben.»


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