Der Beratungsdienst Sportello Alzheimer besteht seit Juli 2023 und wird von Ombretta Moccetti geleitet. Er bietet in Bellinzona, Locarno, Lugano und Chiasso Beratung an. Hauptziel ist es, über die Krankheit und die Unterstützungsdienste zu informieren. Das Angebot wird vom kantonalen Fonds der Plattform für pflegende Angehörige in Zusammenarbeit mit dem Ente Ospedaliero Cantonale, der Clinica Luganese Moncucco und dem Dienst für häusliche Pflege und Assistenz Mendrisiotto und Basso Ceresio (ACD) unterstützt. Ombretta Moccetti erklärt in einem Interview, wie der Dienst funktioniert.


Wer wendet sich an den Sportello Alzheimer?
Ombretta Moccetti: Meist haben Angehörige nach einer Diagnose das Bedürfnis, zu reden und angehört zu werden. Oft suchen sie Anregungen für Strategien im Alltag sowie Informationen über die Angebote von Alzheimer Ticino und anderen Organisationen. Im Gegensatz zur telefonischen Beratung kommen die Angehörigen oft gemeinsam mit der erkrankten Person zur mobilen Beratungsstunde. 
 

Welche Beratung hat Sie besonders berührt?
Ein älteres, unverheiratetes Paar suchte Hilfe, nachdem bei ihm Demenz diagnostiziert worden war. Beide waren spürbar verzweifelt. Zwischen ihnen herrschte eine tiefe Liebe, aber sie litten auch unter den Schwierigkeiten des täglichen Lebens. Er hatte Angst, seine Partnerin zu belasten. Sie fühlte sich hilflos wegen der Veränderungen ihres Partners. Sie würde gerne in die Ferien fahren, wollte ihn aber nicht alleine lassen. Gleichzeitig wäre er gerne zu Hause geblieben, um sich selbst zu beweisen, dass er immer noch selbstständig leben kann. Wir haben versucht, eine Lösung für diese Situation zu finden. Schliesslich nahm die Partnerin die Hilfe ihres Bruders an, der sich während ihrer Ferien um ihren Partner kümmerte. Nach ihrer Rückkehr würde ihr Partner einige Tage allein verbringen und so seine Unabhängigkeit erleben könnten. Erleichtert fuhren die beiden nach dem zweistündigen Gespräch nach Hause.
 

Haben Sie auch mit schwierigen Fällen zu tun?
Ich treffe oft auf starrköpfige ältere Ehepaare, die jegliche Unterstützung ablehnen und den Prozess behindern, was die Situation für die beteiligten Familienmitglieder schwierig macht. In solchen Situationen empfehle ich, in kleinen Schritten vorzugehen. Ich hatte zum Beispiel den Fall einer Dame, die nicht in ein Altersheim wechseln wollte. Wir suchten einen Weg, wie sie die Situation «verdauen» kann. Deshalb haben wir separat mit ihren Kindern und dem Pflegepersonal gesprochen, bis wir eine gemeinsame Strategie gefunden haben. Im Allgemeinen versuchen wir, sowohl der erkrankten Person als auch den Familienmitgliedern zuzuhören, ihre Bedürfnisse zu verstehen und dann Ratschläge zu geben. Unser Ziel ist es, einen Raum des Zuhörens zu schaffen, in dem die Menschen frei über ihre Sorgen sprechen können.