Ich, Silvia, bin fast 74-jährig und hatte ein erfolgreiches Berufsleben, war Marketing- und Kommunikationsmanagerin in der Pharmabranche und die letzten zwanzig Jahre selbständig. Mein ganzes Leben drehte sich um Kommunikation. Und nun im Alter zwingt mich eine Krankheit zu einem Perspektivenwechsel.
 

Ich war in meinem Leben noch nie krank. Nichts. Keine OP, keine Erkrankung. Und jetzt mit über 70 stimmte plötzlich etwas nicht mehr.

Meine Vergesslichkeit nimmt zu – so meine Empfindung. Ob ich das medizinisch abklären lassen sollte? Immer wieder studiere ich dieser Möglichkeit nach. Dank meiner guten medizinischen Grundausbildung kann ich Krankheiten verstehen. Unwissenheit ist für mich schlimmer als eine Tatsache, mit der ich mit grosser Wahrscheinlichkeit umgehen könnte.

Also bespreche ich meine Beobachtung mit meinem Hausarzt. Dieser veranlasst einen MoCA-Test. Dieser Test erlaubt eine erste Evaluation der kognitiven Leistungsfähigkeit und wird als Erstuntersuchung für ältere Personen empfohlen, beispielsweise zur Verwendung in der Hausarztpraxis.

Ich empfinde diesen Test als banal. Bestand ihn zu 100%. Ich bespreche mein Wunsch nach medizinische Abklärung mit meiner Psychiaterin. Diese behandelt mich seit 4 Jahren wegen einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, welche in die frühe Kindheit zurückgeht. Sie entspricht meinem Wunsch, obwohl sie in meiner Sprache keine Anzeichen von Demenz erkenne und meldet mich in der Neuropsychiatrie im Spital Interlaken an. Der Test war sehr vielfältig, dauerte über zwei Stunden und ja, er war gar nicht so einfach. Ich besprach mit der Therapeutin eine Wiederholung des Tests in einem Jahr. Es wurden zwei Jahre daraus. Zwischenzeitlich verlor ich phasenweise den Mut die Wahrheit wirklich wissen zu wollen.

Wie gehe ich mit einer Demenz Diagnose um? Ich fand darauf keine Antwort, hatte ab und zu Schiss, doch die Neugier überwog.

Die Besprechung nach dem zweiten Test war eindeutig.  Es gab eine Verschlechterung meiner Hirnleistung und wir sollten nun weitere Untersuchungen im Blut und im Hirn veranlassen. Danach war die Diagnose klar: Stufe 3  (von3) einer degenerativen Demenz und eine Alzheimererkrankung leichter Art. Ich las viel über die beiden Demenz Formen. Hatte grössere Bedenken was die Auswirkungen auf meine Beine, den Gang und die Gehsicherheit betrafen, als typische Alzheimer Symptome wie Vergesslichkeit.

Ich beginne mit Menschen aus meinem näheren Umfeld über Demenz zu reden. Sprachlosigkeit ist das Resultat. Aber man merke ja gar nichts…. Das glaube ich nicht …. Wir sind doch alle etwas vergesslich.   Du bist doch nicht krank.

Ich realisiere, dass Demenz ein Tabuthema ist. Es macht viele Menschen sprachlos. Wissen nicht wie sie mit mir umgehen sollen. Da redet man leichter über eine Krebserkrankung.

Ich will und muss darüber reden. Es bewegt mich. Noch finde ich Worte.