In einer Langzeitstudie aus Wales wurde ein Zusammenhang zwischen der Impfung mit dem Lebendimpfstoff Zostavax und einer Senkung des Demenzrisikos hergestellt. Doch was ist wirklich dran?
Schon länger wird diskutiert, ob Virusinfektionen im Zusammenhang mit geistigem Abbau oder Demenzerkrankungen stehen könnten. Es wird vermutet, dass dies mit Entzündungsprozessen im Gehirn zusammenhängt. Solche Entzündungen könnten zum Beispiel durch eine neue oder reaktivierte Infektion mit Herpesviren ausgelöst werden. Besonders im Fokus stehen dabei das Herpes-simplex-Virus (HSV) sowie das hochansteckende Varizella-Zoster-Virus (VZV), das Windpocken verursacht und meist über Tröpfchen oder direkten Kontakt mit Bläschen übertragen wird. Nach der Infektion bleibt das Virus inaktiv im Körper und kann später als Gürtelrose (Herpes zoster) reaktiviert werden.
Wirkung noch nicht bestätigt
Vor diesem Hintergrund wird auch immer wieder diskutiert, ob eine Gürtelrose-Impfung das Demenzrisiko senken könnte, wie auch in der genannten Studie. In der Schweiz sind zwei Impfstoffe gegen Gürtelrose verfügbar: der Lebendimpfstoff Zostavax und der Impfstoff Shingrix, der bevorzugt empfohlen wird. Beide Impfstoffe schützen vor einer erneuten Aktivierung (Reaktivierung) des Varizella-Zoster-Virus, das nach einer überstandenen Windpocken-Erkrankung lebenslang im Körper verbleibt.
Auch könnte laut einer Studie der Impfverstärker (Adjuvans) AS01, der in vielen Gürtelrose-Impfungen enthalten ist, aber nicht in Lebendimpfstoffen, zusätzlich vor Demenz schützen (Taquet et al. 2024). Ob die Gürtelrose-Impfung oder zusätzlich die enthaltene Impfverstärker tatsächlich einen Schutz vor Demenz bietet, ist bislang jedoch nicht gesichert. Zwar gibt es Hinweise auf mögliche Zusammenhänge, doch laut aktueller Studienlage reichen die Belege nicht aus, um einen kausalen Zusammenhang zu bestätigen. Die Forschung zu Herpesviren und Alzheimer steckt noch in den Anfängen, und viele Fragen sind noch offen. Auch spielen andere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Demenz – etwa genetische Veranlagung, Alter, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Lebensstil sowie Umwelt- und Immunfaktoren. Herpesviren könnten möglicherweise nur bei bestimmten Personen in Kombination mit anderen Risikofaktoren einen Einfluss haben.
Festzuhalten bleibt deshalb, die Gürtelrose-Impfung – insbesondere mit Shingrix – ist medizinisch sinnvoll, um eine Erkrankung an Gürtelrose und ihre teils schweren Komplikationen zu vermeiden. Als gezielte Massnahme zur Vorbeugung von Demenz kann sie jedoch derzeit nicht empfohlen werden.
Impfung gegen Windpocken und Gürtelrose
Windpocken werden durch das hochansteckende Varicella-Zoster-Virus (VZV) übertragen – meist über Tröpfchen oder direkten Kontakt mit Bläschen. Nach der Infektion bleibt das Virus im Körper und kann später als Gürtelrose reaktiviert werden. Windpocken verlaufen meist mild, verursachen Fieber und juckenden Hautausschlag, können aber vor allem bei Erwachsenen, Schwangeren oder Immungeschwächten Komplikationen verursachen. Gürtelrose zeigt sich durch einen einseitigen, schmerzhaften Hautausschlag. Mögliche Folgen sind Nervenschmerzen oder Augenschäden. Die Behandlung ist meist symptomatisch, bei Bedarf antiviral.
Die Impfung gegen Windpocken wird für Säuglinge im Alter von 9 und 12 Monaten empfohlen, idealerweise als Kombinationsimpfung (MMRV) gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen. Für alle nicht immunen Personen im Alter von 13 Monaten bis 39 Jahren wird eine Nachholimpfung (zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen) empfohlen. Die Kosten dafür übernimmt die Grundversicherung.
Seit 2022 wird zudem die Impfung gegen Herpes Zoster mit dem Subunit-Impfstoff (Shingrix®) für gesunde Personen ab 65 Jahren sowie für Menschen mit (schwerer) Immundefizienz ab 50 bzw. 18 Jahren empfohlen und von der Grundversicherung bezahlt. Der bisherige Lebendimpfstoff (Zostavax®) wird nur noch in Ausnahmefällen empfohlen und nicht vergütet. (Quelle: Bundesamt für Gesundheit; BAG)
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Wainberg, M. et al. The viral hypothesis: how herpesviruses may contribute to Alzheimer’s disease. Mol. Psychiatry 26, 5476–5480 (2021). https://doi.org/10.1038/s41380-021-01138-6
Warren-Gash, C., Forbes, H.J., Williamson, E. et al. Human herpesvirus infections and dementia or mild cognitive impairment: a systematic review and meta-analysis. Sci Rep 9, 4743 (2019). https://doi.org/10.1038/s41598-019-41218-w
Xie, M., Eyting, M., Bommer, C., Ahmed, H., & Geldsetzer, P. (2025). The effect of shingles vaccination at different stages of the dementia disease course. Cell. 10.1016/j.cell.2025.11.007




