auguste : Wie war Dein Start bei Alzheimer Schweiz?
Martine Bourqui-Pittet : Meine erste Aufgabe war die Moderation der Nationalen Demenzkonferenz im April 2026, die ich gemeinsam mit meiner Kollegin von Public Health Schweiz übernommen habe. Das war ein intensiver Moment. War es ein Sprung ins kalte Wasser? Von aussen hätte es so erscheinen können, doch in Wirklichkeit wurde ich sehr herzlich empfangen und es war für mich ein sehr emotionales Erlebnis.
Auch vom Team der nationalen Geschäftsleitung wurde ich sehr gut aufgenommen. Es hat mir alle wichtigen Informationen vermittelt und mir ermöglicht, meine Aufgaben Schritt für Schritt in Angriff zu nehmen. In den ersten Wochen konnte ich das breite Spektrum der Aktivitäten von Alzheimer Schweiz und seiner Sektionen kennenlernen.
Anschliessend hatte ich das Glück, an Konferenzen mit den Präsidentinnen und Präsidenten der Sektionen sowie an einem Treffen mit den Geschäftsführenden der Sektionen teilzunehmen und mich intensiv mit ihnen auszutauschen. Ich hatte bereits die Gelegenheit, ein bis zwei Sektionen zu besuchen, und freue mich darauf, weitere kantonale Sektionen zu besuchen.
Was ist Dir positiv aufgefallen?
Besonders beeindruckend ist der starke Wille aller Mitarbeitenden, sich gemeinsam für eine Sache einzusetzen. Ob in den Sektionen oder in der nationalen Geschäftsstelle in Bern – das starke Engagement für Menschen mit Demenz und ihre Nahestehenden ist überall spürbar.
Was war die grösste Herausforderung?
Zweifellos war es meine Teilnahme an der Konferenz zu Beginn meiner Tätigkeit. Ich musste die Veranstaltung leiten, ohne die verschiedenen Akteure persönlich zu kennen. Es war jedoch eine unglaubliche Erfahrung und eine gute Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen.
Gab es bereits eine Begegnung, die Dich besonders berührt hat?
Ich hatte die Gelegenheit, einen Tag mit Jungerkrankten während der Ferienwoche in Murten zu verbringen. Dabei konnte ich inspirierende Gespräche mit Freiwilligen und Menschen, die an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz erkrankt sind, führen. Diese bereichernden Gespräche sind für mich die Bestätigung, dass ich bei Alzheimer Schweiz am richtigen Ort angekommen bin.
Wo liegen die Stärken unserer Organisation?
Ich sehe die grosse Stärke unserer Organisation vor allem in den Menschen, die sich für Alzheimer Schweiz engagieren. Mich beeindrucken der starke Teamgeist und die grosse Kompetenz, die ich sowohl in der nationalen Geschäftsstelle als auch in den kantonalen Sektionen erlebt habe. Die Sektionen sind lokal verankert und ermöglichen einen direkten Zugang zu unseren Angeboten und Dienstleistungen. Das ist besonders wertvoll. Zudem verfügt unsere Organisation über ein engagiertes und kompetentes Zentralkomitee. Diese Verbindung von Fachwissen, Nähe zu den Betroffenen und gemeinsamem Engagement macht Alzheimer Schweiz für mich ganz besonders stark.
Wo soll sich Alzheimer Schweiz noch weiterentwickeln?
Alzheimer Schweiz ist unter der Leitung von Stefanie Becker bereits stark gewachsen und hat sich sowohl national als auch international als führende Akteurin etabliert. Um die Stimme der Betroffenen – seien es Erkrankte, pflegende Angehörige oder Fachleute im Gesundheitswesen – noch deutlicher zu vertreten, müssen wir unsere Position weiter stärken.
Auf politischer Ebene trägt die nationale Geschäftsleitung eine wichtige Verantwortung. Ebenso entscheidend ist es, die Kräfte mit den kantonalen Sektionen noch stärker zu bündeln. Allein kommt man zwar schneller voran, gemeinsam kommt man aber weiter! In unserer Gesamtorganisation legen wir seit jeher grossen Wert auf gegenseitiges Vertrauen und pflegen die Zusammenarbeit.
Wir dürfen auch unsere Positionierung weiter schärfen, beispielsweise im Bereich der Forschung oder gegenüber der Pharmaindustrie. Dabei geht es keineswegs darum, unsere neutrale und unparteiische Haltung zu gefährden, sondern dafür zu sorgen, dass die Betroffenen von diesen wissenschaftlichen Fortschritten profitieren können.
Was muss sich in den nächsten drei Jahren in der Gesellschaft ändern?
Ich bin überzeugt, dass wir Menschen mit Demenz anders wahrnehmen müssen als bisher. Wir müssen die breite Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, dass nicht nur hochbetagte Personen in Pflegeheimen von Demenz betroffen sind, sondern auch Menschen vor Erreichen des Rentenalters daran erkranken können.
Was sind die grösseren Projekte in den nächsten Monaten?
Wir werden uns im digitalen Bereich weiterentwickeln Dadurch erhalten Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und weitere Interessierte einen einfacheren, schnelleren und benutzerfreundlicheren Zugang zu unseren Informationen und Unterstützungsangeboten. Auch legen wir ein grösseres Augenmerk darauf, die Forschung im Bereich Demenz zu unterstützen und dabei den Umgang mit Menschen mit Demenz zu stärken und gezielt voranzutreiben.
Wer ist Martine Bourqui-Pittet?
Seit 1. Mai ist Dr. sc. nat. Martine Bourqui-Pittet die neue Geschäftsführerin von Alzheimer Schweiz. Nach dem Doktorat in Biochemie an der Universität Fribourg arbeitete sie unter anderem als Abteilungsleiterin im Bereich Process Development beim Biotech-Unternehmen Crucell. 2009 wechselte sie zum Bundesamt für Gesundheit (BAG). 2022 übernahm sie die Leitung der Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen, eHealth Suisse, die sich für die Digitalisierung im Gesundheitswesen einsetzt.

