Hören ist weit mehr als nur ein Sinnesorgan – es verbindet uns mit unserer Umwelt, ermöglicht Kommunikation und fördert soziale Interaktion. Doch viele Menschen unterschätzen die Bedeutung eines intakten Gehörs für die geistige Gesundheit. Studien zeigen: Wer im mittleren Lebensalter eine unbehandelte Hörminderung hat, trägt ein erhöhtes Risiko, später an Demenz zu erkranken.
Die gute Nachricht ist: Hörverlust ist ein beeinflussbarer Risikofaktor. Das bedeutet, dass gezielte Präventionsmassnahmen helfen können, das Risiko für eine Demenz zu senken. Doch worin genau besteht der Zusammenhang zwischen Hörminderung und kognitivem Abbau? Und was kann jede:r tun, um das eigene Gehör und damit auch das Gehirn zu schützen?
Wie hängen Hörverlust und Demenz zusammen?
Verschiedene wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass unbehandelte Schwerhörigkeit einen negativen Einfluss auf die Gehirnfunktionen hat. Der Lancet Commission Report zur Demenzprävention (2024) zählt Hörverlust zu den 14 beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. Bis zu 7 % aller Demenzfälle weltweit könnten durch eine bessere Hörversorgung verhindert oder verzögert werden.
Es gibt verschiedene potenzielle Mechanismen, die den Zusammenhang zwischen Hörverlust und einer Demenzerkrankung erklären. Diese beinhalten unter anderem:
- Kognitive Überbelastung
Wenn das Gehör nachlässt, muss das Gehirn mehr kognitive Ressourcen für das Zuhören aufbringen. Das führt dazu, dass andere geistige Prozesse – wie Gedächtnis und Denkvermögen – weniger Kapazität haben.
- Abnahme der kognitiven Reserve
Eine Schwerhörigkeit führt zu einer verminderten geistigen Stimulation und Verarbeitung. Dies kann sich negativ auf die Gehirnstruktur und -funktionen auswirken und eine Demenzerkrankung begünstigen.
- Psychosoziale Faktoren
Wer schlecht hört, hat oft Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen. Das kann dazu führen, dass sich Erkrankte sozial isolieren, sich einsam fühlen und eine Depression entwickeln. Soziale Isolation und Depression sind jedoch Risikofaktoren für Demenz.
- Gemeinsame Hirnpathologie
Gemeinsame Pathologie, die sowohl einen Hörverlust als auch eine Demenzerkrankung begünstigen können.
Hörverlust früh erkennen – Welche Anzeichen gibt es?
Hörverlust entwickelt sich meist schleichend. Viele Menschen bemerken ihn erst spät oder gewöhnen sich an das schlechtere Hören. Erste Warnsignale können sein:
- Gespräche in lauter Umgebung sind anstrengend.
- Der Fernseher oder das Radio werden immer lauter gestellt.
- Gespräche müssen oft nachgefragt werden.
- Hohe oder leise Töne werden schlechter wahrgenommen.
- Man fühlt sich nach längeren Gesprächen mental erschöpft.
Sobald eines oder mehrere dieser Anzeichen auftreten, sollten Sie einen Hörtest ins Auge fassen.
Was kann man tun, um Hörverlust zu vermeiden oder auszugleichen?
Es gilt : Wer frühzeitig handelt, kann das Demenzrisiko senken. Wichtig sind folgende Massnahmen:
Regelmässige Hörtests
Es gilt wie immer: Wer bei sich erste Veränderungen bemerkt oder Nahestehende einen selbst auf eine Verschlechterung des Hörvermögens aufmerksam machen, sollte sich beraten lassen.
Frühzeitige Nutzung von Hörhilfen
Laut Studien kann die Nutzung von Hörhilfen wie z. B. Hörgeräte oder Cochlea-Implantate nicht nur das Hören verbessern, sondern auch den kognitiven Abbau verlangsamen. Wichtig ist, Hörhilfen so früh wie möglich anzupassen, bevor sich das Gehirn an das schlechte Hören gewöhnt.
Training für Gehör und Gehirn
- Gespräche bewusst führen
Auch wenn es anstrengend ist, hilft aktives Zuhören, das Gehör zu trainieren. - Hörtraining nutzen
Es gibt spezielle Apps und Programme, die das Sprachverstehen fördern.
Musik und Sprachen lernen: Wer aktiv Musik hört oder eine neue Sprache lernt, trainiert sowohl das Gehör als auch das Gehirn.
Lärm vermeiden
- Gehörschutz in lauten Umgebungen
Dauerhafter Lärm (z. B. durch laute Musik oder Baustellen) kann das Gehör schädigen. - Lautstärke bewusst reduzieren
Kopfhörer nicht auf maximale Lautstärke stellen – alles über 85 Dezibel kann auf Dauer problematisch sein.
Fazit: Hörgesundheit ist Hirngesundheit
Hörverlust ist einer der bekannten beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. Prävention spielt eine entscheidende Rolle: Wer bei Anzeichen frühzeitig Hörtests macht, bei Bedarf Hörhilfen nutzt und das Gehör trainiert, schützt nicht nur das eigene Hörvermögen, sondern auch die geistige Gesundheit.
Quellen: Griffiths, T. D., Lad, M., Kumar, S., Holmes, E., McMurray, B., Maguire, E. A., ... & Sedley, W. (2020). How can hearing loss cause dementia?. Neuron, 108(3), 401-412. / Livingston, G., Huntley, J., Liu, K. Y., Costafreda, S. G., Selbæk, G., Alladi, S., ... & Mukadam, N. (2024). Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, 404(10452), 572-628.
Stand 2.9.2025
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