Die Alzheimer-Krankheit zählt zu den häufigsten Demenzformen. Um eine Erkrankung festzustellen, werden heutzutage unter anderem bildgebende Verfahren angewendet oder die Rückenmarkflüssigkeit untersucht. Solche Verfahren sind zeitintensiv und kostenaufwendig. Bluttests zur Erkennung der Alzheimer-Krankheit könnten deshalb die Diagnosestellung vereinfachen und den Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten erleichtern. Aktuell erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler solche Tests in verschiedenen Studien.
Rund die Hälfte aller Menschen mit Demenz hat keine fachärztliche Diagnose. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch insbesondere in Bezug auf Behandlungsmöglichkeiten wichtig. Um eine Alzheimer-Krankheit zu diagnostizieren, benötigt es heutzutage verschiedene Abklärungen. Einerseits kommen körperliche Untersuchungen und neuropsychologische Tests zum Zuge. Andererseits untersuchen Ärzt:innen mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT), der Computertomografie (CT) oder der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) das Gehirn. Eine weitere Möglichkeit ist die Analyse des Hirnwassers durch eine Punktion des Rückenmarks. Insbesondere die bildgebenden Verfahren und die Liquordiagnostik sind jedoch zeitaufwendig, teuer und für viele Betroffene belastend. Ein einfacher Bluttest zur Erkennung von Alzheimer könnte deshalb zukünftig die Diagnosestellung erleichtern.
Wie funktionieren Bluttests?
Solche zurzeit untersuchten Bluttests basieren auf der Analyse bestimmter Biomarker im Blut, die mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung stehen. Dazu zählen unter anderem die für die Erkrankung charakteristischen Proteine Beta-Amyloid und Tau. Die Verklumpung und Ablagerung dieser beiden Eiweissstoffe im Gehirn zählen gemäss dem aktuellen Forschungsstand zu den möglichen Ursachen einer Erkrankung. Der Nachweis dieser Marker im Blut könnte deshalb zur Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung beitragen.
Bluttests können zudem wichtige Risikofaktoren identifizieren, wie etwa ApoE4 – eine genetische Variante, die bei bis zu 60 % der Alzheimer-Erkrankten vorkommt. Bei Personen ohne ApoE4-Variante kann unter Umständen auf zusätzliche genetische Tests verzichtet werden.
Gleichzeitig spielt der ApoE4-Status eine wichtige Rolle beim Zugang zu neuen Behandlungen, wie dem im Februar 2026 in der Schweiz zugelassenen Alzheimer-Wirkstoff Donanemab. Behandelt werden dürfen derzeit nur Patientinnen und Patienten mit höchstens einem ApoE4-Allel, da bei zwei Allelen das Risiko für Nebenwirkungen deutlich erhöht ist.
Bluttests können somit helfen, geeignete Patientinnen und Patienten für solche Therapien zu identifizieren.
Die Vorteile von Bluttests
Ein grosser Vorteil solcher Bluttests ist ihre einfache Anwendbarkeit. So könnten zukünftig beispielsweise Mitarbeitende in medizinischen Praxen oder Kliniken Blutproben entnehmen. Solche Tests stellen somit eine geringere Belastung für die Betroffenen dar als bildgebende Verfahren oder eine Untersuchung der Rückenmarkflüssigkeit, die teilweise einen Spitalaufenthalt erfordern.
Eine frühe und genaue Diagnose ist zudem zentral, damit Erkrankte geeignete Behandlungsmöglichkeiten frühzeitig beginnen können. Dies gilt auch für die neuen Antikörper-Medikamente, die sich zurzeit in der Schweiz im Zulassungsverfahren befinden und im Ausland teilweise bereits zugelassen sind. Basierend auf den aktuellen Erkenntnissen eignen sich diese bislang nur bei Menschen in einem frühen Stadium ihrer Erkrankung. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht zudem, dass Betroffene Unterstützung in Anspruch nehmen und noch selbstbestimmt ihre Zukunft planen können.
Ergänzung zu bisherigen Verfahren
Bluttests markieren somit einen wichtigen Schritt in Richtung einer zugänglicheren und frühzeitigen Alzheimer-Diagnose. Entscheidend ist jedoch, dass ihre Genauigkeit mit den bisher eingesetzten Verfahren wie z. B. der Untersuchung des Hirnwassers durch eine Punktion des Rückenmarks vergleichbar ist. Bluttests stellen zwar eine wertvolle Ergänzung dar, man sollte sie jedoch stets im Kontext weiterer Untersuchungen betrachten. Eine fundierte Diagnose wird auch zukünftig eine Kombination aus klinischer, neuropsychologischer und gegebenenfalls bildgebender Diagnostik erfordern.
Stand der Zulassung
Am 22. Juli 2025 erhielt der unter dem Namen «Elecsys pTau181» bekannte Test die CE-Kennzeichnung als europäisches Gütesiegel. Solche einfach durchzuführenden Bluttests sind ein bedeutender Fortschritt in der Diagnose von Alzheimer. Denn um zurzeit Ablagerungen im Gehirn zu finden, muss eine Punktion des Rückenmarks oder aufwändige und kostspielige PET-Scans durchgeführt werden. Nach der Einführung der neuen Bluttests, sollten sich die Wartezeiten bei der Zuweisung verkürzen und die Diagnosekosten sinken.
Zusätzlich erhielt am 16. März 2026 auch der «Elecsys ApoE4-Test» die CE-Kennzeichnung. Er analysiert das Apolipoprotein E4 (ApoE4), einen wichtigen genetischen Risikofaktor für Alzheimer. Trägerinnen und Träger dieses Allels haben ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken.
Durch die Bestimmung von ApoE4 im Blut können Ärztinnen und Ärzte mögliche genetische Risikoprofile frühzeitig erkennen.
Der ApoE4-Test ergänzt den bereits CE-gekennzeichneten Elecsys pTau181-Test von Roche, der die Konzentration des Tau-Proteins im Blut misst.
Einsatz des Alzheimer-Bluttests in der Praxis
Dieser Bluttest soll auch in Hausarztpraxen durchgeführt werden können, um die Memory-Kliniken zu entlasten. Gleichzeitig wird eine gezielte Schulung der durchführenden Hausärzt:innen nötig. Sie benötigen einerseits Wissen zur Auswertung dieser Tests und andererseits zu den aktuellen Therapie- und Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz. Alzheimer Schweiz setzt sich dafür ein, ihr Wissen zugänglich zu machen, um eine gute Versorgung für Betroffene auch in Zukunft zu gewährleisten.
(Stand 23. Juli 2025)
Literatur:
Frisoni, G. B., Festari, C., Massa, F., Ramusino, M. C., Orini, S., Aarsland, D., ... & Nobili, F. (2024). European intersocietal recommendations for the biomarker-based diagnosis of neurocognitive disorders. The Lancet Neurology, 23(3), https://doi.org/10.1016/S1474-4422(23)00447-7
Ritter, A. (2024). Ein simpler Test. Schweizerische Ärztezeitung, 105(16). https://saez.swisshealthweb.ch/de/article/doi/saez.2024.1328883940/
Aus: Brum, W.S., Cullen, N.C., Janelidze, S. et al. A two-step workflow based on plasma p-tau217 to screen for amyloid β positivity with further confirmatory testing only in uncertain cases. Nat Aging 3, 1079–1090 (2023). https://doi.org/10.1038/s43587-023-00471-5
Roche Deutschland. (2024, Mai). Blutbasierte Biomarker der Alzheimer‑Krankheit. Roche. https://www.roche.de/diagnostik/diagnostik-im-dialog/blutbasierte-biomarker-der-alzheimer-krankheit
sowie Medienartikel von Tagensanzeiger vom 22.7.25 mit einem Interview von Julius Popp und Radiobeitrag Rendez-vous/Wissen auf SRF vom 22.7.25 mit Zitaten von Marc Sollberger sowie Bogdan Draganski und Radiobeitrag Morgengast mit Irene Bopp auf SRF vom 23.7.25
Roche. (2026, March 16). Roche receives CE mark for first IVD immunoassay blood test to identify carriers of ApoE4. https://diagnostics.roche.com/global/en/news-listing/2026/roche-ce-mark-apoe4.html

