Ein Leitfaden für Familien mit Kindern im Vorschul- und Primarschulalter
Eine Demenzerkrankung betrifft in einer Familie immer alle – auch die Kinder. Sie erleben Veränderungen im Alltag und spüren, dass etwas anders ist, können diese Eindrücke jedoch oft noch nicht einordnen. Gleichzeitig sind Eltern und Grosseltern selbst verunsichert und fragen sich, ob und wie sie das Thema Demenz in der Familie ansprechen können.
Alzheimer Zürich hat in Zusammenarbeit mit der Plattform Mäander die wichtigsten Fragen sowie hilfreiche Hinweise aus der Fachliteratur und aus Erfahrungsberichten für Sie zusammengestellt – als Unterstützung und Orientierung im gemeinsamen Umgang mit der Situation.

Wenn Erwachsene die Worte «Demenz» oder «Alzheimer» hören, entstehen oft konkrete Bilder und Ängste. Für Kinder hingegen sind solche Begriffe zunächst nur Wörter, die schwer und wichtig klingen, aber nicht richtig eingeordnet werden können. Kinder spüren aber sehr wohl, wenn im Alltag etwas «anders» ist, zum Beispiel wenn die Grossmutter Hilfe beim Anziehen braucht.
Noch stärker als solche sichtbaren Veränderungen nehmen Kinder die Stimmungen wahr, die in der Luft liegen: ein genervter Unterton des Vaters, der wieder gerufen wird, um die Fernbedienung des Grossvaters zu suchen, die Anspannung im Raum oder der traurige Blick der Mutter, wenn die Grossmutter am Telefon nichts mehr erzählt. Kinder lesen in den Gesichtern der Erwachsenen, hören den Ton zwischen den Worten und merken, dass etwas nicht mehr stimmt.
Ja, unbedingt. Kinder sollen mit ihren Beobachtungen, ihren Fragen und ihren Gefühlen nie allein gelassen werden. Denn wenn Kinder keine Erklärung bekommen, suchen sie sich ihre eigene. So können sie etwa glauben, selbst schuld zu sein, wenn die Stimmung in der Familie angespannt ist oder wenn die Person mit Demenz schroff reagiert. Der offene Umgang ist deshalb immer der bessere Weg: Er gibt Erklärungen, schafft Orientierung und hilft Kindern, das Geschehen einzuordnen.
Beim Sprechen über Demenz spielen das Alter und die Persönlichkeit des Kindes eine wichtige Rolle. Für kleinere Kinder sind abstrakte Erklärungen über die Krankheit oft noch schwer greifbar und auch gar nicht nötig. Ab dem Kindergartenalter können Kinder erfahrungsgemäss besser verstehen, dass bei einer Demenz das Gehirn erkrankt ist. Sie beginnen, sich ein erstes Bild davon zu machen, was das bedeutet. Aber ob man nun die Diagnose benennt oder nur die Dinge, die sich verändern, spielt keine Rolle. Viel wichtiger ist es, über das zu sprechen, was Kinder im Alltag beobachten: Verwunderungen und Irritationen, Stimmungen und Emotionen.
«Es gibt nicht das «eine» Gespräch, sondern immer wieder Gespräche.»
Peggy Elfmann, Blogggerin, Angehörige und Mutter dreier Kinder
Folgende Gesprächstipps haben sich bewährt:
- Lassen Sie Ihrem Kind Zeit und Raum für das Gespräch: Es ist ratsam, das Thema nicht aufzudrängen und Kinder nicht mit zu vielen Informationen auf einmal zu «überhäufen». Besser ist es, das Gespräch immer wieder sanft anzubieten.
- Achten Sie auf die Signale Ihres Kindes: Manche Kinder haben von sich aus viel zu erzählen und fragen nach, andere sind eher ruhig und zurückhaltend. Ihnen kann ein kleiner «Anstupser» guttun. Bilderbücher eignen sich wunderbar als Gesprächseinstieg. Und wenn Ihr Kind gerade kein Interesse am Thema hat, ist das völlig in Ordnung – nehmen Sie den Faden zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf.
- Bleiben Sie beim Nachfragen möglichst nah an konkreten Erlebnissen: Statt «Wie geht es dir mit Omas Demenz?» wirkt etwas Spezifischeres oft viel besser. So können Sie zum Beispiel gemeinsam einen Moment benennen, der schwierig war: «Ich fand es heute komisch, als Oma deinen Namen nicht wusste. Wie war das für dich?» Geben Sie Ihren Kindern ruhig auch einen Einblick in Ihre Gefühlswelt.

→ In diesem Blogbeitrag beschreibt Peggy Elfman, wie sie mit Ihren Töchtern begann, über Demenz zu sprechen.
→ Hier finden Sie typische «Kinderfragen» zu Demenz und Tipps, wie man darauf antworten kann.
→ Eine kuratierte Auswahl an Kinderbüchern inkl. Rezensionen finden Sie im Blog von Peggy Elfmann.
→ Ein interaktives Informationsangebot für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren bietet die Webseite AFi-KiDS.
→ Der Film Knietzsche und die Demenz eignet sich als Gesprächsauftakt für die ganze Familie.
→ Das Online-Spiel «Was hat Oma?» bringt Kindern Demenz auf spielerische Art näher.
Kinder haben oft eine ganz natürliche, unbeschwerte Art im Umgang mit Menschen mit Demenz – sie begegnen ihnen einfach so, wie sie sind. Dies gibt den Betroffenen das Gefühl, ebenfalls normal zu sein. Und Eltern können diesen offenen Umgang noch weiter stärken, indem sie einen pragmatischen Umgang vorleben.
- Bewahren Sie Leichtigkeit im Alltag: Gemeinsames Lachen verbindet. Auch im Umgang mit Demenz dürfen lustige und unerwartete Momente ihren Platz haben. Ein wertschätzendes Mitlachen – nicht Auslachen – kann Kindern helfen, Ängste abzubauen und die Beziehung zur betroffenen Person positiv zu erleben und zeigt, dass niemand in der Familie perfekt sein muss.
«Ist es ein grosses Drama, wenn die Oma vergisst, den Herd auszumachen und wird gleich der Strom abgestellt und der Oma verboten zu kochen? (…) Kinder lernen an Rollenbildern und Verhaltensweisen der Erwachsenen.»
Anja Rutenkröger, Pflegewissenschaftlerin
- Machen Sie klar: Schuld ist die Krankheit – nicht du! Besonderes dann, wenn die Person mit Demenz ablehnend, wütend oder aggressiv reagiert, ist es wichtig hervorzuheben, dass es die Demenz ist, die dieses Verhalten verursacht.
- Unterstützen Sie Ihr Kind wirksam: Erwachsene können Kindern praktische Tipps für den Umgang und die Kommunikation mitgeben, wie zum Beispiel, der Grossmutter nicht zu viele Fragen auf einmal zu stellen oder in kurzen Sätzen zu sprechen.
- Beziehen Sie Ihr Kind aktiv ein: Wer mithelfen darf, fühlt sich weniger hilflos. Das muss nichts Grosses sein: ein Lied aussuchen, das der Grossvater früher mochte. Ein Foto mitbringen. Vorlesen. Gemeinsam einen Spaziergang machen. Solche Beiträge stärken Kinder und schaffen gleichzeitig Verbindung.

→ Im Podcast «Chopfsach» kommen zwei Kinder selbst zu Wort. Sie erzählen, wie sie mit ihren an Demenz erkrankten Grosseltern umgehen und was ihnen dabei geholfen hat.
Viele Eltern haben gute Erfahrungen damit gemacht, das grössere soziale Umfeld und die Lehrpersonen ihrer Kinder über die Demenzerkrankung in der Familie zu informieren.
Wenn Sie das Thema Demenz auch an Ihrer Schule oder ihrer Gemeinde thematisieren und greifbarer machen wollen, ist Ihnen die Stiftung Plattform Mäander gerne dabei behilflich. Ob eine Lesung mit einer Kinderbuchautorin, ein Fachreferat, ein Workshop oder ein interaktives Theater: Die Plattform Mäander unterstützt Sie bei der Organisation eines passenden Formats. Melden Sie Ihr Anliegen bitte per E-Mail.
Kinder spüren, wie es den Erwachsenen um sie herum geht und profitieren davon, wenn Eltern und Grosseltern selbst gut begleitet sind. Sich Unterstützung zu holen ist also auch ein Geschenk an die Kinder.
Die kostenlose Beratung von Alzheimer Zürich – persönlich oder am Telefon – begleitet Sie bei allen Fragen, die dabei auftauchen. Vereinbaren Sie Ihre Beratung per E-Mail oder rufen Sie uns an auf 📞043 499 88 63
Eine Kooperation von:
| Alzheimer Zürich |
| Berät, unterstützt und entlastet Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen |
| www.alz-zuerich.ch |
| Stiftung Plattform Mäander |
| Unterstützt Gemeinden und Organisationen bei der Sensibilisierung für Demenz |
| www.plattform-maeander.ch |
Quellen:
- Elterninfo Demenz: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V., elterninfo-demenz.pdf*
- Leitfaden für Eltern, AFi-KiDS: Alzheimer Forschung Initiative e.V., Leitfaden_fuer_Eltern_2025.pdf*
- Alzheimer und wir – Meine Mama, der Alzheimer und meine Kinder: Blog von Peggy Elfmann, alzheimerundwir.com*
- Chopfsach, Folge 31: Mit Kindern über Demenz sprechen – Einfühlsam und offen kommunizieren, chopfsach-podcast.ch*
* online abrufbar per 23.04.2026

