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Medienmitteilung vom 18. Februar 2020, Bern/Brüssel
 

Eine neue Studie von Alzheimer Europe, dem Dachverband europäischer Alzheimer-Organisationen, berichtet von geringeren Zahlen der Menschen mit Demenz als bisher angenommen. Dennoch wird sich die Zahl der Menschen mit Demenz bis 2050 verdoppeln. 

Heute hat Alzheimer Europe im Europäischen Parlament ihren Jahresbericht zu aktuellen Prävalenzraten für Demenz in Europa vorgestellt. Eine Neuberechnung stand schon lange aus, sind doch die bisher verwendeten Berechnungsgrundlagen bereits mehr als 10 Jahre alt. Der Bericht knüpft damit an das bisherige Vorgehen zur Berechnung der Prävalenz (EUROCoDe) an, die auch für die Ermittlung der Schweizer Zahlen zu Demenz für die Altersgruppen 60+ massgebend war. 

Strenge Kriterien für den Einbezug aktueller Studien
Für den Einbezug von aktuellen europäischen Prävalenzstudien wurden strenge Qualitätskriterien angelegt: Die Stichprobe musste mindestens 300 Personen umfassen und eine Antwortquote von mehr als 50% ausweisen. Auch wurden ausschliesslich bevölkerungsbasierte Untersuchungen einbezogen, welche standardisierte Diagnosekriterien anwendeten und deren Rohdaten zugänglich waren. Von den ursprünglich 892 Studien, die per Literaturrecherche in den neuesten wissenschaftlichen Publikationen ermittelt wurden, konnten so schlussendlich 16 für den Bericht genutzt werden. 

Weniger Erkrankte als bisher geschätzt, aber langfristige Verdopplung der Fälle
Die auf dieser Grundlage basierende Metaanalyse kommt zum Schluss, dass die Prävalenz von Demenz geringer ist als in den letzten 10 Jahren angenommen. Das bedeutet, dass für die Schweiz gemäss den neuen Prävalenzraten von rund 128'000 Erkrankten (anstatt wie bisher von 155'000) ausgegangen werden muss. Nach wie vor sind Frauen überproportional von Demenz betroffen. Wegen der demographischen Alterung der Gesellschaft gilt auch weiterhin, dass sich die Zahl der Menschen mit Demenz in Europa bis 2050 fast verdoppeln wird. Bisher war eine Verdoppelung bis 2040 erwartet worden.

Die tieferen Prävalenzraten führt der Bericht auf die gesündere Lebensweise der Menschen zurück. Auch kardiovaskuläre Risikofaktoren seien heute besser unter Kontrolle, was zu einer Reduktion des Demenzrisikos führe. Dr. Stefanie Becker, Geschäftsleiterin von Alzheimer Schweiz, hält fest: «Der Bericht legt nahe, dass Massnahmen zur Risikominimierung vor allem im Bereich der vaskulären Risiken sich stärker auf die Demenzprävalenz auswirken als bisher angenommen. Die neusten Resultate motivieren, dies auch zukünftig weiter zu fördern». 

Seriöse Versorgungsplanung ist nur mit systematisch erhobenen Zahlen für die Schweiz möglich
Der Bericht hält zudem wesentliche Wissenslücken im Bereich Demenz fest. So fehlen nach wie vor verlässliche Informationen zur Anzahl Menschen mit Demenz unter 65 Jahren, zur Prävalenz der verschiedenen Demenzformen oder zu Angaben, wie viele Menschen mit welchem Schweregrad an Demenz aktuell leben. Auch Angaben zu Demenz bei Menschen aus ethnischen Minderheitsgruppen fehlen weitestgehend. 

Stefanie Becker fordert in diesem Zusammenhang ein Demenzregister. «Der Bericht zeigt leider auch, dass viele Fragen offen bleiben und die Erkrankungszahlen in den kommenden 30 Jahren nach wie vor deutlich ansteigen werden. Daher wird das Gesundheits- und Sozialsystem der Schweiz auch weiterhin gefordert sein, ihr Versorgungssystem auf die anstehenden Herausforderungen vorzubereiten. Doch dies ist nur dann realistisch möglich, wenn konkrete Zahlen für die Schweiz vorliegen. Denn auch wenn die neusten Zahlen seriös ermittelt wurden, stehen sie auf einer schwachen statistischen Grundlage. Solange es keine besseren für die Schweiz gibt, müssen wir das hinnehmen. Eines der Hauptanliegen von Alzheimer Schweiz für ein gutes Leben mit Demenz ist daher eine solide Grundlage für die Versorgungsplanung. Hierfür braucht es ein verlässliches Register, damit wir nicht nur schätzen, sondern wissen, wie viele Menschen mit einer Demenzdiagnose in der Schweiz leben.»

Alzheimer Schweiz fördert aktuell ein noch laufendes Forschungsprojekt, das epidemiologische Daten zur Demenz in der Schweiz liefern soll. Mehr Informationen dazu auf unserer Homepage: alz.ch/forschung
 

Weitere Auskünfte:

Geschäftsleiterin Alzheimer Schweiz
Dr. Stefanie Becker
E-Mail: stefanie.becker(at)alz.ch
Telefon: +41 (0)58 058 80 05
Mobile: +41 (0)79 695 05 08

Präsident Alzheimer Schweiz
Dr. Ulrich Gut
E-Mail: ulrich.gut(at)alz.ch
Telefon: +41 (0)79 422 29 49