Wie ist das Projekt angelaufen? Was gefällt dir am besten bei der neuen Aufgabe?
Irene Rüegg: Das Projekt läuft sehr gut. Die hohe Nachfrage bestätigt den Bedarf an fachlich neutraler Begleitung und Beratung. Was mir am besten gefällt ist die Vielseitigkeit meiner Aufgabe. Die Möglichkeit, Zeit zu haben für die individuellen Anliegen, zusammen realistische Lösungsansätze finden. Aber auch die Vernetzung und Zusammenarbeit mit den diversen Playern in diesem Bereich macht Freude. Zu merken, dass alle das gleiche Ziel haben und an einer gelingenden Zusammenarbeit interessiert sind, ist einfach genial!
Wie kommen Angehörige zu einem Beratungstermin? Braucht es eine Diagnose oder eine Verordnung?
Irene Rüegg: Es braucht keine vom Arzt, der Ärztin bestätigte Demenzdiagnose oder Verordnung. Meine Kontaktdaten sind auf unserer Homepage zu finden. Fachpersonen können uns aber selbstverständlich Zuweisungen machen. Sie nehmen so den Angehörigen die erste Hürde ab, sich selber für eine Beratung zu melden.
Wie wird die Zugehende Beratung abgerechnet?
Irene Rüegg: Die Niederschwelligkeit des Angebotes beinhaltet auch, dass sie kostenfrei ist. Da wir ein gemeinnütziger Verein sind und von Mitgliederbeiträgen und Spenden leben, dürfen sehr gerne Beiträge in diesem Sinne geleistet werden.
Wo finden die Gespräche statt?
Irene Rüegg: Die Gespräche finden nach Absprache mit den Angehörigen am Telefon, in ihrem Zuhause oder in unserem Büro in St.Gallen statt. Es kann aber auch ein anderer, neutraler Ort, wie ein Coworking Büro sein, da bin ich sehr flexibel.
Gibt es Fragen oder Anliegen, die besonders oft vorkommen?
Irene Rüegg: Immer wieder stehen Angehörige an einem Punkt, wo sie erkennen, dass sich etwas ändern muss. Aber was und was als erstes? Was ist das Richtige? Zweifel und die Sorge, dass die erkrankte Person nicht einverstanden ist, verhindern ebenfalls, dass Angebote in Anspruch genommen werden. Immer wieder erlebe ich, wie im Verlauf des Gespräches der Mut gefasst wird, den ersten Schritt zu wagen.
Herausforderungen in der Kommunikation und das veränderte Verhalten der erkrankten Person, sind ebenfalls ein wichtiges Thema welches An- und Zugehörige stark fordert und auch verunsichert. Dazu kommt die Auseinandersetzung mit dem Rollenwechsel, der in verschiedenen Varianten und unweigerlich geschieht. Offen, in einem «sicheren Setting» darüber reden können, kann schon eine erste Entlastung bringen.
Auch Fragen zur Vorausplanung, oder finanziellen Ansprüchen bei einer Demenzerkrankung, sind häufig. Darunter fallen z.B. die Erstellung eines Vorsorgeauftrages, Patientenverfügung, finden einer geeigneten Pflegeinstitution, Anspruch auf Hilflosenentschädigung, Vergütung von Inkontinenz-Produkten, SBB-Begleitabo, usw. Das ist nur eine kleine Auswahl. Alle Fragen sind berechtigt und wichtig. Wenn ich etwas nicht beantworten kann, leite ich an geeignete Stellen weiter.
Gibt es etwas worauf du besonders achtest bei den Gesprächen?
Irene Rüegg: Ich höre zuerst einmal gut zu und möchte mit gezieltem Nachfragen herausfinden, wo mögliche Ansätze und Lichtblicke sind.
Die ratsuchende Person entscheidet, welche Themen besprochen werden oder welche Informationen sie mir geben will oder auch nicht. Es ist mir wichtig zu betonen, dass ich zwar fachlich beraten, aber keine Entscheidungen abnehmen kann.
Ich achte auch darauf, nur die im Moment wichtigsten Informationen abzugeben. Im Sinne von; was braucht es als nächstes? Da der Kontakt weiter geht, kann ich Informationen «dosiert» in verträglichen Mengen anbieten.
Was machst du für deine «Selbstfürsorge»?
Irene Rüegg: Weil ich ja sozusagen Selbstfürsorge predige, versuche ich mich auch darin zu üben. Zum Glück habe ich das Hobby Singen schon vor 30 Jahren für mich entdeckt. Ich mache das bei mir zu Hause oder in verschiedenen Chören. Dann habe ich einen grossen Garten, rede mit den Pflanzen und natürlich vor allem gerne mit meinen Freunden. Wanderungen und neuerdings der eher unregelmässige Besuch eines Fitnesstudios gehören auch dazu.

