Roman Strübi, du bist das langjährigste Vorstandsmitglied. Seit wann bist du im Vorstand von Alzheimer St. Gallen / beider Appenzell?
Roman Strübi: Im November 2017 habe ich Einsitz im Vorstand genommen.
Weshalb ist dir dieses Engagement so wichtig?
Roman Strübi: Ich arbeite seit über 35 Jahren im Gesundheitswesen. In dieser Zeit habe ich viele unterschiedliche Perspektiven auf das Gesundheits- und Pflegewesen gewonnen. Besonders wichtig ist mir, die Anliegen und Erfahrungen aus der Langzeitpflege zu vertreten. Dieses Engagement ist für mich von grosser Bedeutung, weil ich davon überzeugt bin, dass eine gute Pflege und Betreuung die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Familien massgeblich steigern kann.
Was macht dir besonders Freude an der Vorstandsarbeit?
Roman Strübi: Besonders Freude bereitet mir der interdisziplinäre Austausch mit verschiedenen Fachbereichen und die Möglichkeit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Es ist für mich sehr erfüllend, durch Konsens und Zielorientierung in einem engagierten Team an konkreten Massnahmen zu arbeiten. Dieser Austausch und die gemeinsame Arbeit ermöglichen es, unterschiedliche Perspektiven zu integrieren und sinnvolle, ganzheitliche Lösungen zu finden.
Erzähl uns bitte von deinem Buchtipp. Was gefällt dir an diesem Buch?
Roman Strübi: „Stay away from Gretchen; eine unmögliche Liebe“ von Susanne Abel erzählt die berührende Geschichte von Tom Monderath, einem bekannten Kölner Nachrichtenmoderator, der sich um seine 84-jährige Mutter Greta sorgt, die zunehmend an Gedächtnisproblemen leidet. Als schliesslich die Diagnose Demenz im Raum steht, ist Tom zutiefst erschüttert.
Was mir an „Stay away from Gretchen; eine unmögliche Liebe“ besonders gefällt, ist die Art und Weise, wie Susanne Abel tiefgehende emotionale Themen aufgreift und in eine bewegende Familiengeschichte einbettet. Die Autorin lässt den Leser in die Gedankenwelt des Protagonisten Tom eintauchen, während er sich mit der Demenz seiner Mutter auseinandersetzt und zugleich deren verborgene Vergangenheit entdeckt. Die Reise durch die Erinnerungen von Greta, die mit ihrer Kindheit in Ostpreussen, Flucht und Verlust konfrontiert ist, bietet eine vielschichtige und eindrucksvolle Perspektive auf das Thema Trauma und die langfristigen Auswirkungen von Kriegs- und Fluchterfahrungen.
Besonders stark an diesem Buch ist die Darstellung von Beziehungen – nicht nur zwischen Mutter und Sohn, sondern auch zwischen den Generationen. Es geht um das Verstehen und Annehmen von Familiengeheimnissen, die Generationen überdauern, und die schwierige, aber tiefgreifende Erkenntnis, dass die Vergangenheit oft untrennbar mit dem eigenen Glück verknüpft ist.
Die Mischung aus persönlichen, historischen und emotionalen Elementen verleiht der Geschichte Tiefe und macht sie sowohl berührend als auch nachdenklich stimmend. Besonders interessant ist auch die Erkenntnis, dass die Demenz von Greta nicht nur eine Quelle der Trauer ist, sondern Tom auch eine Chance bietet, sich mit seiner eigenen Identität und seinem Leben auseinanderzusetzen.
Wem emphiehlst du dieses Buch?
Roman Strübi: Ich würde „Stay away from Gretchen; eine unmögliche Liebe“ besonders Menschen empfehlen, die sich für Familiengeschichten interessieren, die emotionale Tiefe und historische Kontexte miteinander verbinden. Das Buch eignet sich für Leserinnen und Leser, die ein Interesse an den Auswirkungen von Krieg, Trauma und Demenz haben und die Beziehung innerhalb einer Familie aus einer neuen Perspektive erleben möchten. Es ist auch eine gute Wahl für jene, die sich mit der Entdeckung von Familiengeheimnissen und der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen wollen. Wer berührende, nachdenklich stimmende Geschichten schätzt, wird hier auf seine Kosten kommen.
Roman Strübi ist mit 5 Geschwistern in Uzwil aufgewachsen und seit nach der Rekrutenschule im Gesundheitswesen tätig, ausgebildeter Psychiatriepflegefachmann und seit über 30 Jahren in Führungsfunktionen. Seit Herbst 2018 ist Roman Strübi Heimleiter in der Liebenau Neckertal, einem Seniorenheim in Brunnadern. Er ist wohnhaft in der Stadt St.Gallen, verheiratet und Vater von 5 Kindern.


