Alzheimer Solothurn lud am 4. Mai zu einer öffentlichen Veranstaltung im Kantonsspital Olten und informierte die anwesende Zuschauerschar über das Krankheitsbild Demenz, die Diagnosestellung, die Behandlungsmöglichkeiten und das Angebot der beiden Memory Clinicen im Kanton Solothurn.

Ernst Zingg, Präsident von Alzheimer Solothurn, übergab nach einer kurzen Einleitung das Wort an Dr.med. Susanna Frigerio (Stv. Chefärztin Neurologie soH, Co-Leiterin Memory Clinic Kantonsspital Olten und Vorstandsmitglied Alzheimer Solothurn) und Dr. med. Vesna Stojanovic (Chefärztin Geriatrie und Co-Leiterin Memory Clinic Kantonsspital Olten). In ihrem Referat lieferten die beiden Fachfrauen Antworten auf Fragen zur Abklärung und Behandlung bei Demenz wie z.B. auf die Fragen „Ich bemerke Gedächtnisstörungen, habe ich eine Demenz?“ oder „Wann ist eine Abklärung in der Memory Clinic notwendig?“ und „Was kann man therapeutisch bei Demenz machen?“.

Mit eindrücklichen Zahlen - alle 4 Sekunden wird auf der Welt ein neuer Demenz-Fall diagnostiziert - zeigte Susanna Frigerio auf, dass es sich bei der Demenzerkrankung um eine Epidemie handelt, an der in der Schweiz aktuell rund 144‘300 Menschen leiden. Es gebe viele verschiedene Formen von Demenz, die Alzheimererkrankung sei dabei die bekannteste und gleichzeitig auch häufigste Form. Häufig seien Menschen im hohen Lebensalter betroffen, es gebe aber auch immer mehr junge Menschen bei denen eine Demenz diagnostiziert werde. Die verschiedenen Demenzen zu unterscheiden und die Mechanismen der Erkrankung zu verstehen, sei oftmals auch für Fachpersonen eine grosse Herausforderung. Sie empfehle deshalb dringend, sich bei Verdacht auf eine Demenz für die Diagnosestellung via Zuweisung durch den Hausarzt an die Spezialisten der Memory Clinic zu wenden.

Vesna Stojanovic legte im zweiten Teil des Referates den Fokus auf die therapeutische Behandlung von Demenz. Diese sei wichtig aber ebenfalls sehr komplex. Ein besonderes Augenmerk gelte bereits bestehenden Erkrankungen, wie sie im hohen Lebensalter häufig vorkommen denn nicht jedes demenzspezifische Medikament sei für allen Patienten geeigent. Während der medikamentösen Behandlung sei deshalb eine engmaschige Betreuung mit regelmässigen Kontrolluntersuchungen massgebend. Manchmal müsse auch eine Behandlung eingestellt werden, wenn die Nebenwirkungen oder die Unverträglichkeit zu gross sind. „Glücklicherweise gibt es nebst der medikamentösen Therapie eine Vielzahl von nicht-medikamentöse Therapieformen und Massnahmen, mit denen das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz gesteigert werden können“ so Stojanovic. Als Beispiele nannte sie die Verbesserung der Sensorik durch angepasste Lichtverhältnisse in der Wohnung und die richtige Einstellung von Hilfsmitteln wie Brillen und Hörgeräte oder Gedächtnistraining, welches durch gezielte Förderung der noch vorhandenen geistigen Fähigkeiten den Verlauf der Erkrankung erwiesenermassen positiv beeinflusst. Den richtigen Ansatz zu finden sei nicht immer einfach und es empfehle sich deshalb auch hier die enge Begleitung durch Fachspezialisten in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt. Besonders wichtig sei für das Behandlungsteam der Kontakt mit den pflegenden Angehörigen, welche gleichermassen von der Krankheit betroffen sind, wie die Erkrankten selbst. Die Angehörigen seien durch die hohe Belastung bei der Betreuung ebenfalls auf Unterstützung angewiesen und werden deshalb idealerweise von Anfang an in die Behandlung miteinbezogen und an Organisationen und Institutionen vermittelt, welche Unterstützung und Entlastung anbieten, wie beispielsweise Alzheimer Solothurn, bei welcher Demenbetroffene Beratung und Begleitung erhalten. Stojanovic schloss das Referat mit einem hoffnungsvollen Ausblick auf die Entwicklung von neuen Alzheimermedikamenten. Trotz diverser abgebrochener Studien sei sie zuversichtlich, dass in nicht allzu ferner Zukunft wirksame Alzheimer-Medikamente die Zulassung in der Schweiz erhalten.

In der abschliessenden Fragerunde, zeigte die Spannbreite der Fragen aus dem Publikum eindrücklich, dass das Thema Demenz nicht nur aus medizinischer Sicht komplex ist, sondern gerade für die Direktbetroffenen oftmals ein Buch mit sieben Siegeln. 
Ernst Zingg bedankte sich nach der kurzweiligen, zweistündigen Veranstaltung bei den Referentinnen und den Gästen, die sehr gute Fragen gestellt hätten. Eine weitere Veranstaltung mit dem gleichen Referat wird am 17. November diesen Jahres in der Aula der Fachhochschule Nordwestschweiz in Solothurn durchgeführt.